Basiswissen Altersvorsorge

Die gesetzliche Rentenversicherung

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Fast drei Viertel der deutschen Bevölkerung sehen in der gesetzlichen Rente die für sie persönlich ideale Form der Alterssicherung. Doch wen und was genau sicherte die gesetzliche Rentenversicherung eigentlich ab? Was kostet diese Absicherung? Und wie errechnet sich der spätere Rentenbetrag? – FinanzWertig beantwortet fünf häufige Fragen zur gesetzlichen Rentenversicherung.

1. – Was sichert die gesetzliche Rente ab?
2. – Wer ist versichert?
3. – Wie viel kostet die gesetzliche Rentenversicherung?
4. – Wie errechnet sich der Rentenanspruch?
5. – Was ist der sogenannte “Eckrentner”?

Rente – Sparen für die Altersvorsorge Die 1891 im Deutschen Reich eingeführte gesetzliche Rentenversicherung ist heute für viele Bundesbürger der wichtigste Baustein ihrer Altersvorsorge. Im Rahmen eines Umlageverfahren finanzieren dabei die derzeitigen Arbeitnehmer mit ihren Beiträgen den Ruhestand der heutigen Rentner. Gleichzeitig erwerben sie damit auch einen Anspruch auf eine spätere eigene Rente (Generationsvertrag).

1. – Was sichert die gesetzliche Rente ab?

Mit der gesetzlichen Rentenversicherung wird in erster Linie das finanzielle Risiko im Alter abgesichert. Dazu haben Versicherte nach Erreichen der Regelaltersgrenze und Erfüllung der allgemeinen Wartezeit (60 Kalendermonate mit Beitragszeiten) einen Anspruch auf eine lebenslange Rente. Daneben werden aber auch zahlreiche Sonderfälle abgedeckt, wie etwa Frühverrentungen bei besonders langjährig Versicherten, älteren Arbeitslosen oder behinderten Menschen. Zudem gewährt die gesetzliche Rentenversicherung auch noch einen Basisschutz bei verminderter Erwerbsfähigkeit oder Tod (Hinterbliebenenrente).

2. – Wer ist versichert?

In der gesetzlichen Rentenversicherung sind grundsätzlich alle abhängig beschäftigten Arbeitnehmer pflichtversichert. Das betrifft neben Angestellten und Arbeitern auch die Auszubildenden sowie Studenten bzw. Schüler, die nebenbei arbeiten gehen. Auch wer Unterhaltsersatzleistungen wie Kranken- oder Arbeitslosengeld bezieht, gehört der Rentenversicherung an; ebenso wie junge Eltern während der Zeiten der Kindererziehung sowie Wehrdienst- und Zivildienstleistende.

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Darüber hinaus sind auch bestimmte Gruppen von Selbstständigen in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Dazu zählen unter anderem selbstständige Handwerker (mit Eintrag in die Handwerkerrolle), Hebammen sowie Künstler und Publizisten, die über die Künstlersozialkasse abgesichert sind. Weitere nicht pflichtversicherte Unternehmer oder Freiberufler können auf Antrag freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung aufgenommen werden.

3. – Wie viel kostet die gesetzliche Rentenversicherung?

Pflichtversicherte Arbeitnehmer müssen monatlich einen prozentualen Anteil ihres Arbeitseinkommens an die gesetzliche Rentenversicherung abführen. Für 2012 liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Er wird im Regelfall je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen. Bei Bezug von Versorgungsgeld, Unterhaltsgeld, Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe werden die Beiträge vollständig von den Leistungsträgern (wie etwas der Bundesagentur für Arbeit) übernommen.

Bei pflichtversicherten Selbstständigen richtet sich der monatliche Beitrag nach dem aktuellen Beitragssatz und ihrem jeweiligen Einkommen. Letzteres wird jedoch nur bis zur so genannten “Beitragsbemessungsgrenze” berücksichtigt. Diese liegt im Jahr 2012 bei 5.600 Euro (West) bzw. 4.800 Euro (Ost) im Monat.

Freiwillig Versicherte können dagegen selbst über die Höhe ihres Beitrags entscheiden. Der Staat gibt nur eine Bandbreite vor, die von mindestens 78,40 Euro bis maximal 1.097,60 Euro je Monat reicht. Allerdings wirkt sich die Beitragshöhe natürlich auf die spätere Rentenhöhe aus: Wer etwa nur den monatlichen Mindestbeitrag von 78,40 Euro zahlt, steigert seinen späteren Rentenanspruch dadurch nur um gut vier Euro je Monat. Wird dagegen der Höchstbetrag entrichtet, winken im Ruhestand monatlich über 55 Euro mehr Rente.

4. – Wie errechnet sich der Rentenanspruch?

Die individuelle Höhe der gesetzlichen Rente bestimmt sich im Wesentlichen durch die Dauer der Beitragszahlung und die Höhe des dafür maßgeblichen Einkommens. Letzteres wird in so genannte Entgeltpunkte umgerechnet, wobei ein Punkt der Höhe des statistischen Durchschnittsverdienstes in dem jeweiligen Jahr entspricht – für 2011 wurde dieser vorläufig mit 32.003 Euro veranschlagt. Wer also in einem Jahr soviel verdient, wie der Durchschnitt aller Einzahler, bekommt für dieses Jahr in der Rentenversicherung einen Entgeltpunkt gut geschrieben. Wer mehr (maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze) bzw. weniger als der Durchschnitt verdient, dem werden die Rentenpunkte anteilig gut geschrieben.

Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, um an die wertvollen Entgeltpunkte zu kommen. So werden beispielsweise Extra-Punkte für die Kindererziehung vergeben: für jedes vor 1992 geborene Kind ein Punkt, für jedes danach Geborene drei Punkte. Weitere Punkte gibt es für Wehr- oder Zivildienstzeiten, die Ableistung eines ökologischen oder sozialen Jahres und die Pflege von Angehörigen.

Zum Renteneintritt werden die Entgeltpunkte dann addiert und mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert. Dieser wird jährlich zum 1. Juli an die Lohnentwicklung in den alten bzw. neuen Bundesländern angepasst. Für 2011/2012 liegt der Wert bei 27,47 Euro (West) beziehungsweise 24,37 Euro (Ost).

Relevant für die Rentenhöhe ist zudem der Renteneintrittszeitpunkt. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die reguläre Rentenaltersgrenze von derzeit 65 Jahren für alle nach 1946 Geborene beginnend ab 2012 zunächst in Ein-, ab 2024 dann in Zwei-Monats-Schritten angehoben. Die Geburtsjahrgänge ab 1964 müssen sich somit auf eine Regelaltersgrenze von 67 Jahren einstellen. Wer dagegen vorzeitig in Rente gehen will, muss dauerhafte Abschläge bei der Rente in Kauf nehmen. Im Grundsatz gilt dabei, dass sich der Rentenbetrag für jeden fehlenden Monat bis zum Erreichen der Altersgrenze um 0,3 Prozent mindert.

5. – Was ist der sogenannte “Eckrentner”?

Die gesetzliche Rente verlangt einen möglichst lückenlosen und langen Erwerbsverlauf – tatsächlich ist das Arbeitsleben vieler Menschen aber brüchiger und kürzer geworden, wie eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie am Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie zeigt. Verantwortlich hierfür sind längere Ausbildungszeiten sowie steigende (Langzeit-)Arbeitslosigkeit. Durch die dadurch fehlenden Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung steigt für den Einzelnen die Gefahr der Altersarmut.

Der fiktive “Eckrentner” mit 45 Beitragsjahren und beständig durchschnittlichem Einkommen gehört zunehmend der Vergangenheit an. Nach Ansicht von Experten wird die staatliche Rentenversicherung – heute noch die größte Einkommensquelle der älteren Bevölkerung – in Zukunft nur noch die Grundversorgung im Alter sichern können. Wer im Alter nicht auf seinen gewohnten Lebensstandard verzichten möchte, ist gezwungen, die drohende Einkommenslücke schon jetzt durch zusätzliche Vorsorge zu schließen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie etwa eine Riester- oder Rürup-Rente, eine betriebliche Altersvorsorge oder eine private Rentenversicherung.

Mit Quellen von: Deutsche Rentenversicherung
Bild: aboutpixel.de / “marshi”
(ENDE) finanzwertig.de/15.03.2012

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