Trostpflaster für ausgefallene Klimaanlagen

Deutsche Bahn entschädigt Hitzeopfer mit Gutscheinen

Kategorien: Verbraucher-Infos, aktuell | Tags: , , , , ,

Nach dem hitzebedingten Ausfall von Klimaanlagen in mehreren Fernverkehrszügen will die Deutsche Bahn betroffene Fahrgäste “schnell und unbürokratisch” entschädigen. Wer infolge der Hitze gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten hat und ärztlich versorgt werden musste, soll als Entschädigung Reisegutscheine in Höhe von 150 Prozent des Fahrpreises erhalten. Passagieren, die durch ausgefallene Klimaanlagen im ganzen Zug lediglich “massive Komforteinschränkungen” hinnehmen mussten, bietet der Konzern 50 Prozent des ursprünglichen Fahrpreises als Wiedergutmachung.

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“Wir wollen uns nicht nur ausdrücklich bei unseren Kunden entschuldigen, sondern Wiedergutmachung leisten und das Vertrauen in die DB zurückgewinnen”, erklärte dazu Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr der Deutschen Bahn. Manche Betroffene – so zum Beispiel zahlreiche Sparpreisreisende – könnten sich durch das freiwillige Kulanzangebot allerdings eher verhöhnt vorkommen. Denn im ungünstigsten Fall erhalten sie für (unverschuldetes) stundenlanges Ausharren in überhitzten Bahnwaggons lediglich eine Handvoll Euros als Entschädigung.

Bei Verbraucherschützern wie dem Fahrgastverband “Pro Bahn” wie auch in der Politik stößt die Art der Entschädigung dann auch auf erste Kritik. “Wir brauchen für Bahn- und Flugverkehr ein einheitliches, leicht verständliches und vor allem durchsetzbares Entschädigungssystem, das auch Bargeld vorsieht”, forderte etwa der SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber.

Nachtrag vom 21. Juli 2010: Medienberichten zufolge will die Deutsche Bahn Hitzeopfern nun offenbar bis zu 500 Euro in bar als Entschädigung anbieten.

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(Kontakt-)Wege zur Entschädigung

Wer nun bei der Deutschen Bahn eine Erstattung beantragen möchte, kann dafür drei Wege nutzen:

- per E-Mail: hitzewelle@deutschebahn.com,
- per Post: DB Fernverkehr AG, Kundendialog, Stichwort “Hitzewelle”, Postfach 10 06 13, 96058 Bamberg
- oder per Telefon: DB-Kundenportal 0180 5 99 66 33 (14 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz, Tarif bei Mobilfunk max. 42 Cent).

Wichtig: Für eine Erstattung fordert die Deutsche Bahn die Vorlage der Originalfahrkarte. Davon ausgenommen sind nur Besitzer einer Bahncard 100 oder anderer Zeitkarten. Da sie keinen Nachweis für ihre Reise haben, erstattet der Konzern ihnen laut Stiftung Warentest auf Vertrauensbasis einen Pauschalbetrag.

Zu schwach konstruierte Klimaanlage?

Derweil bestärkt sich der Verdacht, dass die Probleme der Deutschen Bahn mit den Klimaanlagen keine Einzelfälle, sondern offenbar konstruktionsbedingt sind. Medienberichten zufolge sollen die Kühlaggregate nur auf Temperaturen bis 32 Grad Celsius ausgelegt sein. Bei höheren Temperaturen sei ein Abkühlen nicht mehr gewährleistet. Einen Systemfehler als Ursache vermutet auch Hartmut Buyken, Sprecher des Fahrgastverbandes “Pro Bahn”. “Die Deutsche Bahn hat an der falschen Stelle gespart”, wird Buyken bei techfieber.de zitiert. Die Technik ihrer Vorzeigezüge sei auf Kostenminimierung und nicht auf Sicherheit ausgelegt. Dabei würden Ausfälle billigend in Kauf genommen.

Mehr zum Hitzechaos bei der Deutschen Bahn:
Bahn-Mängel: Hitzeschock ab 32 Grad (Spiegel Online)
Hitzechaos: Bahn kühlt Kunden nur bis 32 Grad (ftd.de)
Pannen bei der Deutschen Brutzel-Bahn: Wir können alles – außer fahren (taz.de)
Verein Deutscher Ingenieure kritisiert Wartungsmängeln bei der Deutschen Bahn (finanzzeug.de)
Bahn entschädigt Hitzeopfer mit Gutscheinen (RP Online)

Quelle: Deutsche Bahn, zudem siehe Links
(ENDE) finanzwertig.de/15.07.2010

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4 Kommentare
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  1. [...] – per E-Mail: hitzewelle@deutschebahn.com – per Telefon: DB-Kundenportal 0180 5 99 66 33 (14 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz, Tarif bei Mobilfunk max. 42 Cent) – per Post: DB Fernverkehr AG, Kundendialog, Stichwort “Hitzewelle”, Postfach 10 06 13, 96058 Bamberg Quelle: finanzwertig.de (Deutsche Bahn entschädigt Hitzeopfer mit Gutscheinen) [...]

  2. Das ganze ist schon eine ziemliche Schlamperei bei der Bahn. Hut ab aber vor den Werbern von Sixt – sie haben den Schlamassel mal wieder für eine lustige Werbekampagne genutzt (Sixt hat Autos mit Klimaanlage!”). Schon klasse :-)

    siehe u.a. hier:
    http://marketing-gui.de/2010/07/13/und-sixt-hat-es-wieder-getan-die-hitzepanne-der-deutschen-bahn/

  3. Hm, schönes Motiv. Danke für den Hinweis, Jürgen. Die Werbeagentur gewinnt anscheinend zu Recht die vielen Preise…

  4. Hitzeschock für die Fahrgäste: In Waggons der Bahn soll es wegen der Ausfälle von Klimaanlagen noch heißer gewesen sein als bisher bekannt. In einem der Pannen-ICE seien laut einer internen Fehleranalyse Temperaturen über 70 Grad gemessen worden, berichtet nun “Frontal 21″. Da sieht man, wo man hinkommt, wenn man ein Unternehmen auf Teufel komm raus privatisieren und an die Börse bringen will. Die Politiker sollten doch einsehen, dass manche Unternehmen besser im Staatsbesitz bleiben sollen.

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