Die teuersten Firmen der Welt

Börsenkapitalisierung: Deutsche Unternehmen fallen zurück (2010)

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Im Verlauf des vergangenen Jahres ist Deutschlands Gewicht an den internationalen Börsen deutlich gesunken: Zum Jahresende 2009 waren nur noch vier heimische Konzerne in der Liste der 100 wertvollsten Unternehmen der Welt vertreten, gegenüber noch acht Konzernen im Jahr zuvor. Damit fällt Deutschland im Länderranking vom zweiten auf den sechsten Platz zurück – hinter die Vereinigten Staaten, China, Großbritannien, Frankreich und Japan.

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Zwar hat die Mehrzahl der deutschen Top-Konzerne an Marktkapitalisierung gewonnen, wie aus einer aktuellen Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hervorgeht. Danach konnten 11 der 14 deutschen Konzerne in der Liste der 300 teuersten Unternehmen der Welt ihren Börsenwert steigern. Die Erholung der Aktienmärkte in anderen Ländern fiel jedoch wesentlich stärker aus.

Weltweit teuerstes Unternehmen kommt aus China

Insgesamt gesehen steigerten vor allem asiatische Unternehmen ihre Bedeutung an den internationalen Börsen: So stieg etwa die Zahl der chinesischen Unternehmen im Top 100-Ranking im vergangenen Jahr von 8 auf 11, im Top 300-Ranking sogar von 19 auf 25. Und auch das teuerste Unternehmen der Welt kam 2009 aus dem Land der Mitte: Petrochina brachte es zum Jahresende auf eine Marktkapitalisierung von stolzen 353 Milliarden US-Dollar.

Dagegen haben die Konzerne aus Europa und den Vereinigten Staaten in den vergangenen zwölf Monaten deutlich an Gewicht verloren haben. Im Ranking der 100 teuersten Unternehmen der Welt ist Europa nur noch mit 34 Unternehmen vertreten – vor einem Jahr waren es noch 38. Der Anteil Nordamerikas sank in den vergangenen zwölf Monaten von 43 auf 39.

Aktuell sind allein die zehn teuersten Unternehmen der Welt zusammen 2,4 Billionen US-Dollar wert. Ein Jahr zuvor lag ihre Marktkapitalisierung bei 1,8 Billionen US-Dollar. Der Wert der weltweit 100 wertvollsten Unternehmen stieg im Verlauf des vergangenen Jahres von 9,3 auf 11,9 Billionen US-Dollar.

Volkswagen verliert deutlich an Wert

Die teuersten deutschen Unternehmen sind Siemens und E.ON auf den Plätzen 61 und 62. Ebenfalls im Top 100-Ranking vertreten sind Bayer (81) und die Deutsche Telekom (88). Verabschieden aus der Top 100 mussten sich hingegen SAP, die Allianz, RWE und Volkswagen. Vor allem die Wolfsburger haben dabei deutlich an Wert eingebüßt: Ende 2008 war der Autokonzern mit einem Börsenwert von 110 Milliarden US-Dollar noch das teuerste deutsche Unternehmen. Zum Jahresende 2009 hat sich der Börsenwert auf 42,5 Milliarden US-Dollar mehr als halbiert. In der Folge fiel Volkswagen im Ranking vom 26. auf den 155. Platz zurück.

Tabelle: Die wertvollsten Unternehmen der Welt… und aus Deutschland

Rang Unternehmen Marktkapitalisierung
Ende 2009
(in Mio. USD)
Land
1 Petrochina 353.174 China
2 Exxon Mobil 323.717 USA
3 Microsoft 270.636 USA
4 Ind. & Comm. Bank of China 268.955 China
5 Wal-Mart Stores 203.654 USA
6 China Construction Bank 201.455 China
7 BHP Billiton 201.166 Großbritannien /
Australien
8 HSBC Holdings 199.249 Großbritannien
9 Petrobras 199.245 Brasilien
10 Google 196.701 USA
61 Siemens 84.171 Deutschland
62 E.ON 83.868 Deutschland
81 Bayer 66.355 Deutschland
88 Deutsche Telekom 64.351 Deutschland

(Quelle: Ernst & Young, Studie zur Marktkapitalisierung, Stand: 31. Dezember 2009)

Deutschland unterrepräsentiert

Gemessen an ihrer tatsächlichen volkswirtschaftlichen Bedeutung sind Deutschlands Konzerne nach Ansicht der Ernst & Young-Experten bei weitem nicht angemessen repräsentiert: 15 der 100 umsatzstärksten Unternehmen der Welt stammten aus Deutschland, gleichzeitig sei Deutschland in der Liste der 100 höchstbewerteten Unternehmen aber nur mit vier Unternehmen vertreten.

“Deutschland wurde von der globalen Rezession besonders hart getroffen”, stellte dazu Hendrik Hollweg, Geschäftsführer bei Ernst & Young, fest. Ein Grund dafür sei der typisch deutsche Branchenmix und die große Bedeutung der Industrie- und vor allem Automobilunternehmen. Diese Problematik spiegle sich in der Entwicklung an den Aktienmärkten wider. Zudem habe Deutschland kaum von den großen Börsentrends – insbesondere der Wiederbelebung der Finanzbranche sowie dem Energie- und Rohstoff-Boom – profitieren können.

Eine nachhaltige Schwäche Deutschlands sieht Hollweg aber nicht: “Derzeit spricht vieles für eine relativ schnelle Erholung der Weltkonjunktur. Davon werden mittel- und langfristig auch und gerade deutsche Unternehmen profitieren”.

Schwellenländer weiter auf dem Vormarsch

Allgemein hat Hollweg an den Börsen in den vergangenen Monaten ein sich deutlich veränderndes Investorenverhalten ausgemacht: “Die Investoren blicken wieder nach vorn und suchen nach neuen Chancen und Wachstumsmärkten.” Der Schock und die Depression, die die Krise bei Investoren wie bei Unternehmen zunächst ausgelöst habe, seien vorüber. Auch Negativnachrichten wie die Dubai-Krise nähmen die Investoren inzwischen wieder relativ gelassener hin, so Hollweg.

Eine immer wichtigere Rolle an den Weltbörsen attestierten die Experten von Ernst & Young für die Zukunft vor allem den so genannten BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China). Bereits im aktuellen Top 100-Ranking konnten sich aus diesen Ländern zum Jahresende 2009 18 Unternehmen platzieren – gegenüber elf im Vorjahr. “Die Investoren sind sich offenbar einig, dass das nächste Jahrzehnt den Schwellenländern gehören wird”, kommentierte Hollweg. Die Weltwirtschaft entwickle sich zu einem multipolaren System mit mehreren bedeutenden Wachstumsregionen.

Quelle: Ernst & Young
(ENDE) finanzwertig.de/14.01.2010

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Ein Kommentar
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  1. [...] 27 % vom heutigen B”R”D-BIP wären etwa 600 Milliarden Euro. http://finanzwertig.de/boersenkapitalisierung-deutsche-unternehmen-fallen-zurueck-2010-1261 Ich lerne hier, dass PETROCHINA inzwischen das wertvollste Unternehmen der Welt wurde. Still und [...]

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