Oft mehr als nur kurzfristige Untermiete

“Capital”: Airbnb, 9Flats & Co. verschärfen Wohnungsmangel

Kategorien: Bauen & Wohnen, Verbraucher-Infos, Wirtschaftsnachrichten, aktuell | Tags: , , , ,

Die private Vermietung von einzelnen Zimmern oder auch ganzen Wohnungen über Internetplattformen wie AirBnB oder 9Flats hat in Deutschland große Wachstumschancen. Gut 25 Prozent der Deutschen sehen darin bereits eine Alternative zu Hotels oder der klassischen Ferienwohnung, ergab jüngst eine Bitkom-Umfrage. Doch gerade in den Metropolen wird dadurch die Wohnungsnot verschärft, argumentieren Kritiker.

ANZEIGE
Die Umwandlung von Mietwohnungen in teils illegale gewerbliche Ferienwohnungen ist in deutschen Großstädten weiter verbreitet als gedacht. Das geht aus einer Untersuchung von Wohnungsangeboten auf der Internetplattform Airbnb im Auftrag des Wirtschaftsmagazins “Capital” hervor. Demnach werden allein in den beliebten Kiezlagen Berlins inzwischen fast 6.000 Wohnungen über Airbnb dauerhaft als Ferienwohnungen vermietet – obwohl sie laut offiziellem Airbnb-Angebot eigentlich nur übergangsweise an Touristen untervermietet werden sollen. Auch in Hamburg, München und Köln habe man jeweils weit über 1.000 vergleichbare Angebote gefunden.

Die neuen Zahlen sind brisant, gilt der Markt für Mietwohnungen in den Zentren deutscher Großstädte doch ohnehin als angespannt. In den beliebten Vierteln von Berlin, München, Köln und Hamburg sind die Quadratmeterpreise für Neuvermietungen in den vergangenen Jahren zum Teil drastisch gestiegen. Doch offenbar werden beispielsweise in Berlin viele Wohnungen gar nicht mehr an reguläre Dauermieter, sondern an Touristen vermietet, weil die Mieteinnahmen so deutlich höher sind.

Aus der “Capital”-Untersuchung lässt sich zudem erkennen, dass Airbnb-Anbieter häufig mehr als nur eine Wohnung kontrollieren. Allein in Berlin haben demnach 216 Anbieter drei und mehr Wohnungen zur dauerhaften Vermietung eingestellt – ein klares Indiz für eine gewerbliche Vermietung. Einzelne Vermieter verfügten sogar über mehr als 40, manche über mehr als 70 Wohnungen.

Wenig verwunderlich also, dass beispielsweise der Geschäftsführer des Berliner Mietvereins, Reiner Wild, Airbnb scharf angreift: “Bei den Plattformen geht es zumeist um lukrative Geschäfte mit Ferienwohnungen, durch die auf angespannten Wohnungsmärkten dringend benötigter Wohnraum für langfristige Mietverhältnisse entzogen wird”, kritisiert Wild gegenüber “Capital”. Er fordert schärfere gesetzliche Regelungen gegen die Umwandlung von Miet- in Ferienwohnungen. Und auch der Hauptgeschäftsführer des Hotelverbands Deutschland, Markus Luthe, attackiert die neue Konkurrenz: “Die Analyse von ‘Capital’ bestätigt unsere Vermutung, dass das Geschäftsmodell von Airbnb mit idealistischer ‘Sharing Economy’ wenig gemein hat.” Die Rede vom Teilen sei “Sozial-Romantik” und diene “knallhartem Marketing-Kalkül”.


Quelle: “Capital” (Ausgabe 8/2014)
(Ende) finanzwertig/28.07.2014/mar

RSS-Grafik
Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie doch den finanzwertig.de-Feed. So werden Sie immer mit den aktuellen Beiträgen versorgt.

Artikel kommentieren