Energiewirtschaft

DIW: CCS-Technologie taugt nicht für Energiewende

Kategorien: Mittelstands-News, Wirtschaftsnachrichten, aktuell | Tags: , , , ,

Die CCS-Technologie wird im deutschen Stromsektor in den kommenden 20 Jahren keine Rolle spielen. Dafür sprechen die enttäuschenden Ergebnisse bisheriger Pilotprojekte: Auf europäischer Ebene hat bisher keine der sechs Versuchsanlagen das Ziel einer dauerhaften Vermeidung von CO2-Emissionen erreicht, wie aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. Die verpasste Markteinführung habe Folgen für die Energiepolitik: Pläne für den Bau neuer Kohlekraftwerke – wie sie etwa in Brandenburg vorliegen – seien damit hinfällig.

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Die Abkürzung CCS (bzw. auch CCTS) steht für Carbon Capture, Transport and Storage. Mit diesem Verfahren soll CO2 aus den Abgasen von Industrieanlagen und Kraftwerken abgeschieden, verflüssigt, transportiert und unterirdisch gespeichert werden. Lange Zeit galt die Technologie als Hoffnungsträger für die Energiewende in Deutschland und Europa. 15 bis 55 Prozent der globalen CO2-Einsparungen hoffte man bis zum Jahr 2100 mit CCS zu erreichen.

Vom Hoffnungsträger zum Flop

Die Umsetzung der CCS-Technologie entpuppte sich der DIW-Studie zufolge jedoch als Flop: Der erwartete Boom in Forschung und Entwicklung sei ausgeblieben, zahlreiche Pilotprojekte verschoben oder abgebrochen worden. Bis heute existiere – trotz EU-Fördermitteln von mehr als einer Milliarde Euro – kein einziges abgeschlossenes CCS-Projekt mit nennenswerter Leistung. “Es hat sich herausgestellt, dass die Umsetzung technologisch zu anspruchsvoll und sehr teuer ist”, bilanziert DIW-Industrieökonom Christian von Hirschhausen, Autor der DIW-Studie und Professor an der TU Berlin.

Ein Grund für das vorläufige Aus der Technologie seien übermäßig optimistische Kostenschätzungen. “Den Prognosen wurden starke Preissenkungen zugrunde gelegt”, meint von Hirschhausen. Ein weiterer Schwachpunkt sei die fehlende Flexibilität der Technologie. CCS-Prozesse seien für Kohlekraftwerke ausgelegt, die rund um die Uhr in etwa die gleiche Menge Strom produzierten. Für ein auf erneuerbaren Energien basiertes Energiesystem würden aber flexible Kraftwerke gebraucht.

Umdenken in der Energiepolitik

Im Ergebnis der Studie fordert der DIW-Experte die Bundesregierung auf, ihr Energiekonzept von 2011 zu revidieren. “Strategien, die auf die Verfügbarkeit von CCS in den kommenden 10 bis 20 Jahren setzen, sind hinfällig und weder ökonomisch noch energiepolitisch sinnvoll”, so von Hirschhausen. Besondere Konsequenzen habe das Ausbleiben von CCS im Bereich der Kohlekraftwerke. So seien etwa in Brandenburg Pläne für den Bau neuer Kohlekraftwerke an eine funktionierende CCS-Technologie gebunden. “Die Absage an CCS ist auch eine Absage an Projekte, die mit der Verfügbarkeit von CCS in den kommenden 10 bis 20 Jahren gerechnet haben”, meint von Hirschhausen. Er geht davon aus, dass es kein neues Kohlekraftwerk in Brandenburg geben wird. Gleichzeitig müsse man sich aber auch auf europäischer Ebene mit Alternativen beschäftigen, die eine Energiewende ohne CCS ermöglichen.

Mehr zu diesem Thema gibt es im DIW-Wochenbericht Nr. 6/2012: CO2-Abscheidungen europaweit vor dem Aus (.pdf-Datei). Weitere Informationen zur CCS-Technologie gibt’s unter anderem bei wikipedia.de: CO2-Abscheidung und -Speicherung.

Quelle: DIW Berlin
(ENDE) finanzwertig.de/08.02.2012

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