Wirtschaftswachstum

DIW-Prognose: Nur kurze Konjunkturpause in Deutschland

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Nachdem die deutsche Wirtschaft 2011 noch um kräftige drei Prozent gewachsen ist, sind die konjunkturellen Aussichten für 2012 durch die Krise im Euroraum überschattet. Dadurch wird der Aufschwung auch in Deutschland kurzzeitig unterbrochen, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) prognostiziert. Aber schon Mitte 2012 soll die deutsche Wirtschaft wieder kräftig wachsen – sofern die Politik die Krise im Euroraum rasch in den Griff bekommt.

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“Die stark exportabhängige deutsche Wirtschaft kann sich einer Abschwächung der Weltkonjunktur nicht entziehen. Vor allem unter der Krise im Euroraum werden die deutschen Exporte zu leiden haben”, meint DIW-Deutschlandexperte Simon Junker. Aber auch die Inlandsnachfrage werde beeinträchtigt: Die Menschen seien durch die Krise im Euroraum verunsichert und reagierten beim Konsum zurückhalten. Und auch die Unternehmen würden ihre Investitionen in dem unsicheren Umfeld und angesichts ungünstigerer Absatzperspektiven zurückfahren. “Deshalb spricht vieles dafür, dass Deutschland für kurze Zeit in eine Rezession rutscht”, so Junker weiter.

Belebung nur bei überzeugender Lösung der Euro-Krise

Ab der Jahresmitte 2012 werden sich die deutschen Exporte und auch die Inlandsnachfrage nach Einschätzung des DIW Berlin aber wieder kräftiger entwickeln. Insgesamt erwarten die Konjunkturexperten für das Gesamtjahr 2012 sogar ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. Im kommenden Jahr soll es dann wieder stärker aufwärts gehen. “Dank des ab dem Sommer diesen Jahres einsetzenden Aufholwachstums rechnen wir für 2013 aber wieder mit einem Wachstum von 2,2 Prozent”, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.

Das gelinge aber nur, wenn die Politik die Krise im Euroraum in den nächsten Monaten überzeugend in den Griff bekomme. Dauere die Krise im Euroraum länger an, werde der Arbeitsmarkt deutlich stärker von der Konjunkturdelle betroffen werden. “Dann droht wirklich eine Negativ-Spirale aus steigender Arbeitslosigkeit und fallender Nachfrage”, warnt Fichtner. In einem solchen Fall könne es auch zu einer spürbaren Rezession in Deutschland kommen.

Kaum Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die Auswirkungen der Konjunkturdelle auf den Arbeitsmarkt bleiben nach Ansicht der DIW-Konjunkturexperten eher begrenzt. Zwar sei in der ersten Hälfte dieses Jahres zunächst mit einem leichten Rückgang der Beschäftigung zu rechnen. Mit vermehrter Kurzarbeit und dem Abbau der inzwischen wieder gut gefüllten Arbeitszeitkonten sollten die Unternehmen den Druck auf ihre Personalstruktur aber abfedern können. In der zweiten Jahreshälfte dürfte die auflebende Wirtschaft dann auch der Beschäftigung helfen. Im Jahresdurchschnitt sei so ein kleines Plus bei der Zahl der Erwerbstätigen zu erwarten. Insgesamt dürfte somit die Arbeitslosenquote 2012 leicht über der Sieben-Prozent-Marke verharren.

Euro-Raum leidet unter Schuldenkrise

Vor allem im Euroraum schlägt sich die aus der hohen Verschuldung resultierende Vertrauenskrise dem DIW zufolge in einem schwachen Wachstum nieder. “Die Investitionstätigkeit und der Konsum im Euroraum werden deutlich zurückgehen”, erwartet DIW-Konjunkturchef Fichtner. “Die hohe Arbeitslosigkeit und die immer noch starke Inflation schmälern die Kaufkraft, und die Unternehmen halten sich mit Investitionen erst mal zurück.” Gleichzeitig dürfte die Auslandsnachfrage schwächer ausfallen als in den letzten beiden Jahren. Der Euroraum müsse sich daher auf eine Nachfrageschwäche auf breiter Front einstellen.

Für dieses Jahr prognostiziert das DIW Berlin daher einen leichten Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts des Euroraums. 2013 soll die Wirtschaftsleistung dann aber mit gut einem Prozent wieder leicht anziehen. Voraussetzung für eine Erholung der Konjunktur im Euroraum im nächsten Jahr sei aber auch hier, dass die Politik die Krise in den Griff bekomme. “Falls die Schuldenkrise sich weiter verschärft und zum Beispiel Frankreich angesteckt wird, dann wird die Rezession erheblich stärker ausfallen”, warnt Fichtner.

Aussichten für Weltwirtschaft verhalten

International dürfte die konjunkturelle Entwicklung geringer ausfallen als in den vergangenen Jahren. “Mit knapp vier Prozent in 2012 und 2013 bleiben die Raten zwar relativ hoch”, räumt Fichtner ein. Das sei aber vor allem den weiterhin stark wachsenden Schwellenländern zu verdanken. In den Industrieländern seien vielfach nur geringe Wachstumsraten zu erwarten, auch wenn die Dynamik ab der zweiten Jahreshälfte 2012 anziehen dürfte.

Ursächlich hierfür sei vor allem die hohe Verschuldung der Staaten und Privathaushalte. Diese dämpfe nicht nur den privaten Konsum und die Investitionstätigkeit der Unternehmen, sondern begrenze auch die Spielräume für konjunkturstützende staatliche Nachfrageprogramme. Gleichzeitig seien die Inflationsraten in vielen Ländern relativ hoch, was ebenfalls auf die Kaufkraft drücke. Zudem sähen sich die Zentralbanken unter solchen Umständen zu einer eher weniger expansiven Geldpolitik genötigt.

Mehr zum aktuellen Konjunkturausblick gibt es auf der Webseite des DIW-Berlin im “Wochenbericht 1-2/2012: Wintergrundlinien 2012″ (.pdf-Datei).

Quelle: DIW Berlin
(ENDE) finanzwertig.de/04.01.2012

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