Eine Frage des Vertrauens

DIW: Staatliche Banken können Wirtschaftswachstum steigern

Kategorien: Banken, Konten & Kredite, Finanzpolitik, aktuell | Tags: , , , ,

Banken in Staatsbesitz können sich positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Das gilt sowohl für Entwicklungsländer als auch für viele Industrienationen, wie eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) belegt. Dazu haben die Volkswirte für 128 Länder den Zusammenhang zwischen staatlichem Bankeigentum und wirtschaftlicher Dynamik untersucht. Länder, in denen staatliche Banken ein relativ großes Gewicht haben, weisen demnach im Durchschnitt ein stärkeres Wachstum auf als Länder mit wenigen staatlichen Kreditinstituten.

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“Eine staatliche Bankenbeteiligung von 50 Prozent erhöht die jährliche Wachstumsrate um durchschnittlich ein bis zwei Prozent”, erklärt DIW-Expertin Dr. Anja Shortland. Diese positive Wirkung von staatlichen Beteiligungen für das Wirtschaftwachstum sei für den Zeitraum von 1995 bis 2007 statistisch “ganz deutlich” nachweisbar. Bezogen auf einzelne Länder werde dieser Effekt jedoch wesentlich beeinflusst vom Vertrauen der Bankkunden in die staatlichen Institutionen, die die Finanzmärkte und das Verhalten der privaten Banken überwachen.

Dieses Vertrauen in die Finanzmarktregulierung sei im Zuge der internationalen Finanzkrise allgemein stark erschüttert worden. Viele Banken verfolgten mit hochkomplexen und intransparenten Finanzprodukten extrem risikoreiche Strategien zur kurzfristigen Profitmaximierung – während Aufsichtsräte und Regulierungsbehörden zunehmend die Kontrolle über die Banken verloren haben. So gab es nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 laut dem DIW eine starke Nachfrage nach Sparkonten bei staatlich gestützten und somit als sicher eingeschätzten Geldinstituten. “Staatliche Kreditinstitute investieren langfristiger und sind in der Regel weniger anfällig für spekulative Investitionsstrategien”, begründet Shortland diese Entwicklung.

Kein Wachstumseffekt durch staatliche Banken in Deutschland

Allerdings lässt sich dieses Verhalten nicht für alle untersuchten Länder verallgemeinern, schränkt man beim DIW ein. Für Länder mit hochwirksamer Regulierung wie Deutschland, sei ein Wachstumseffekt durch Staatsbanken nicht definitiv nachweisbar. “Das zeigt, dass staatliche Geldhäuser ein effektiver Ersatz für gute Regulierung sein können”, urteilt Ökonomin Shortland. Allerdings komme es auch hier immer auf das Geschäftsmodell an: “Die deutschen Sparkassen wirken stabilisierend, während die Landesbanken problematisch sind.”

Vorwürfe, dass durch staatliche Eingriffe in das Bankensystem die volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit sinke, weist Shortland zurück. Der Staat übernehme oft bankrotte Institute in Zeiten von Bankenkrisen. Ihn für diese Krisen verantwortlich zu machen, wäre “als würde man Krankenhäuser für eine schlechte Gesundheit verantwortlich machen, weil sie so viele Kranke beherbergen.” Wichtiger als Privatisierungen sei daher eine rasche und gründliche Reform der Bankenaufsicht. Nur damit lasse sich riskantes und kundenschädliches Verhalten der Banken eindämmen und das Vertrauen der Bevölkerung wiederherstellen.

Weitere Informationen hierzu finden sich im Wochenbericht Nr. 37/2010 des DIW Berlin: Staatliche Banken können schwache Bankenregulierung kompensieren (.pdf-Datei).

Quelle: DIW Berlin
(ENDE) finanzwertig.de/16.09.2010

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