Harmonisierung beim Kundenkontakt

EU-weite Telefonnummer für Unternehmen angedacht

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Die Einführung einer europaweit einheitlichen Telefonnummer rückt näher – zumindest für Unternehmen. Sie könnten damit künftig ihre Verkaufsangebote leichter grenzübergreifend organisieren und die Erreichbarkeit ihrer Kundendienste verbessern. Um den tatsächlichen Bedarf des Marktes an europäischen Geschäftsrufnummern abschätzen und Vorschläge für die Realisierung des Projektes formulieren zu können, hat die Europäische Kommission jetzt eine öffentliche Konsultation eingeleitet.

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“Die Unternehmen brauchen heute eine separate Telefonnummer in jedem Mitgliedstaat, in dem sie Kunden haben, für die sie erreichbar sein müssen”, erklärt Neelie Kroes, die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der Kommission. Das erschwere den Aufbau EU-weiter Dienste für ihre Kunden. Kroes appelliert daher an alle Interessenten, der Kommission bei der Ausarbeitung von Vorschlägen zu helfen, “die den Bedürfnissen der Unternehmen gerecht werden und sie für die Verbraucher leichter erreichbar machen.”

In der Konsultation will die EU-Kommission unter anderem Fragen in Bezug auf die Marktzersplitterung, Möglichkeiten der Telefonnummernharmonisierung, künftige Bedürfnisse des Marktes und die Rufnummernverwaltung erörtern. Dazu werden Unternehmen, Verbraucherschützer, Telekommunikationsanbieter und Behörden gebeten, ihre Stellungnahme zur Rufnummernpolitik, die am besten zur Weiterentwicklung des Binnenmarktes beitragen würde, bis zum 28. Februar 2011 einzusenden. Anschließend wird die Kommission über weitere Schritte entscheiden.

Das Konsultationspapier findet sich auf den Internetseiten der Europäischen Kommission: Consultation on the future harmonisation of numbering resources for the provision of business services

Nationale Rufnummern-Vergabe als Hindernis

Telefonnummern werden in der EU auf einzelstaatlicher Ebene von den jeweiligen Regulierungsbehörden verwaltet, die die Rufnummern entsprechend ihren nationalen Nummerierungsplänen vergeben. Infolge dieser nationalen Rufnummernzuteilung gibt es gegenwärtig keine EU-weiten Rufnummern für Unternehmen, die auf einfache Weise grenzübergreifend erreichbar sein wollen. Stattdessen müssen die Unternehmen in jedem Mitgliedstaat, in dem sie tätig sind, unterschiedliche nationale oder nichtgeografische “geschäftliche” Rufnummern verwenden, beispielsweise 0800-er Nummern. Das bedeutet für Unternehmen und Verbraucher zusätzliche Kosten. Zudem sind nichtgeografische Rufnummern in einem Mitgliedstaat häufig für Anrufer aus anderen Mitgliedstaaten überhaupt nicht erreichbar.

Im Rahmen des EU-Telekommunikationsrechts gibt es zwei mögliche Ansätze für eine Einführung einheitlicher Unternehmensrufnummern. Eine Möglichkeit wäre die Einführung einer EU-weiten Kurzwahlnummer (z.B. beginnend mit “115″), die nur für Unternehmen reserviert wäre. Solche Nummern wären kurz, leicht zu merken und würden für ein Unternehmen eine europaweit einheitliche Telefonnummer ermöglichen. Ein anderer Weg bestünde darin, Maßnahmen zur Einführung einer europäischen Telefonvorwahl (“+3883″) im Rahmen des europäischen Telefonnummernraums (ETNS) voranzutreiben. Dabei könnten Geschäftsrufnummern aus der Vorwahl “+3883″ und einer in allen Mitgliedstaaten gleichen Nummer bestehen.

Bereits im Jahr 2000 unternahm die Internationale Fernmeldeunion (ITU) einen Versuch, einen europäischen Telefonnummernraum zu schaffen. In diesem Zusammenhang wurde 24 europäischen Ländern der Vorwahlcode “+3883″ zugewiesen. Mit dem ETNS wurde das Ziel verfolgt, europaweite Dienste dadurch zu fördern, dass Rufnummern für all jene Fälle zur Verfügung gestellt werden, in denen geeignete nationale oder globale Rufnummern fehlen. Er sollte es europaweit tätigen Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen ermöglichen, einen leichten europaweiten Zugang zu ihren Diensten zu schaffen, wird nun aber zum 31. Dezember 2010 auslaufen.

Quelle: Europäische Kommission (via golem.de)
(ENDE) finanzwertig.de/08.12.2010

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