Kommentar

Fidel Castro zweifelt am Sozialismus in Kuba

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Wie unterschiedlich Altersweisheit doch zum Tragen kommen kann. Noch im August 1989 befand der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, ziemlich halsstarrig: “Den Sozialismus (…) in seinem Lauf, halten weder Ochs’ noch Esel auf”. Zugegeben, Erich Honecker war damals “erst” 77 Jahre alt (und zitierte zudem “nur” August Bebel). Deutlich offener für die Realitäten zeigte sich jetzt dagegen der 84-jährige Fidel Castro. Ausgerechnet gegenüber einem Journalisten des Klassenfeindes äußerte er in einem Interview Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Sozialismus.

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Auf die Frage des US-amerikanischen Journalisten Jeffrey Goldberg, ob er das kubanische Modell noch immer in die Welt exportieren wolle, antwortete der Máximo Lider angeblich: “Das funktioniert ja nicht einmal mehr bei uns.” So schildert es Goldberg zumindest in seinem Blog (Fidel: ‘Cuban Model Doesn’t Even Work For Us Anymore’). Nach Auffassung der ebenfalls beim Interview anwesenden Kuba-Kennerin Julia Sweig habe Castro mit seiner Äußerung allerdings nicht die Revolution von 1959 an sich zurückgewiesen. “Für mich war es die Feststellung, dass im kubanischen Gesellschaftsmodell der Staat eine viel zu große Rolle im Wirtschaftsleben spielt”, wird sie von Goldberg zitiert.

Prinzipiell hat der schwer kranke Castro ja recht: der kubanische Staat kontrolliert mehr als 90 Prozent der gesamten Volkswirtschaft – und diese darbt am Rande des Kollapses dahin. Unklar ist allerdings, welche Konsequenzen das Regime in Havanna angesichts der misslichen Lage tatsächlich zu ziehen gedenkt und auch welche Rolle Fidel dabei noch spielen kann. Inzwischen hat ihn sein jüngerer Bruder Raúl im Amt des Staatschefs beerbt und auch erste vorsichtige Schritte für eine wirtschaftliche Liberalisierung verkündet – welche man aber fast nur als mikroskopisch bezeichnen kann. So seien die Maßnahmen auch eher Aktualisierungen und keine wirklichen Reformen in Richtung freier Marktwirtschaft, stellte umgehend der kubanische Wirtschaftsminister Marino Murillo klar. Sozialismus und Staatswirtschaft sollen in Kuba unangetastet bleiben. Doch wie lange noch, bleibt vorerst abzuwarten…

Mehr zum Thema:

‘Das kubanische Modell funktioniert nicht mehr’ (sueddeutsche.de)
Wirtschaftschaos in Kuba: Castro-Land ist abgebrannt (Spiegel Online)
Krise in Kuba: Castro wagt ein bisschen Marktwirtschaft (Spiegel Online)

Quelle: siehe Links
(ENDE) finanzwertig.de/10.09.2010

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