Keine Bank mit Note "gut"

Finanztest: Anlageberatung bei Banken weiter verschlechtert

Kategorien: Banken, Konten & Kredite, Verbraucher-Infos, aktuell | Tags: , , , , ,

Mangelhafte Aufklärung über Anlageprodukte, fehlende Beratungsprotokolle, ungenügende Sachkenntnis der Mitarbeiter – die Stiftung Warentest stellt den deutschen Banken für ihre Anlageberatung ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus. Im Vergleich mit einem Test vor einem halben Jahr sei die Beratungsqualität der Banken in den vergangenen Monaten sogar noch schlechter geworden.

Finanztest – Anlageberatung deutscher Banken (Cover 1/2010) Bereits Ende 2009 hatte die Stiftung Warentest in ihrer Zeitschrift “Finanztest” einen Test zur Anlageberatung bei 21 Banken veröffentlicht. Das Ergebnis war schon damals eine große Blamage. Keine einzige Bank hatte mit “gut” abgeschnitten, zwei waren sogar “mangelhaft”. Daraufhin drohte Verbraucherschutzministerin Aigner den Banken mit schärferen Kontrollen und weiteren Gesetzen, sollten sie ihre Leistungen nicht verbessern. Außerdem wurde ein Beratungsprotokoll Pflicht, wenn über Wertpapiere beraten wird. Die Kreditinstitute selbst gelobten Besserung.

Sechsmal Note “Mangelhaft”

Ein halbes Jahr später hat die Stiftung Warentest fast alle der damals betroffenen Banken nochmals unter die Lupe genommen. Dazu haben Testkunden 146 Beratungsgespräche geführt, bei denen sie vorgeblich 35.000 Euro für zehn Jahre lang anlegen wollten. Das Ergebnis fiel am Ende laut “Finanztest” noch verheerender aus als beim vorigen Mal: Wieder habe keine der 21 getesteten Banken ein “gut” erreicht. Drei seien mit “befriedigend”, zwölf mit “ausreichend” bewertet worden. Und bei sechs Instituten habe es sogar nur zur Note “mangelhaft” gereicht – und zwar bei Postbank, Hypovereinsbank, Targobank, BW Bank, Nassauische Sparkasse und Volksbank Mittelhessen.

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Missachtung gesetzlicher Vorgaben

Das größte Problem ist nach Einschätzung der Verbraucherschützer, dass sich die Berater nicht immer an die gesetzlichen Vorgaben halten. Eigentlich müssten sie die Kunden nach ihren finanziellen und persönlichen Verhältnissen, ihren Finanzkenntnissen sowie ihren Zielvorstellungen bei der Geldanlage fragen. Bei der Beratung über Wertpapiere müsste zudem ein Beratungsprotokoll ausgehändigt werden. Tatsächlich stellen die Berater laut “Finanztest” in den meisten Kreditinstituten längst nicht alle notwendigen Fragen und klären häufig nicht über wesentliche Eigenschaften und Kosten der Anlageprodukte auf. In über der Hälfte der Fälle seien die Bankberater zudem ihrer Pflicht nach der Aushändigung eines Beratungsprotokolls trotz Nachfrage der Testkunden nicht nachgekommen. Außerdem empfahlen die meisten Banken einen zu riskanten Anlagemix.

Der ausführliche Test findet sich in der August-Ausgabe der Zeitschrift “Finanztest” sowie in deren Internetangebot: Anlageberatung der Banken. Hier gibt es unter anderem eine Übersicht über die getesteten Banken und deren Ergebnisse.

Tipps für Bankkunden

Im Ergebnis des wiederholten Tests rät die Stiftung Warentest Verbrauchern daher, sich in Finanzfragen nicht auf einen einzigen Bankberater zu verlassen. Besser sei es, mehrere Beratungsgespräche zu führen und sich verschiedene Vorschläge einzuholen. Zudem sollten Kunden sich bei ihrer Entscheidung nicht unter Zeitdruck setzen lassen und bei einer Wertpapierberatung immer auf die Aushändigung eines Beratungsprotokoll bestehen. Hilfreich sei es darüber hinaus auch, nach den Vertriebsprovisionen für die Bank bzw. den Berater zu fragen, um einen möglichen Interessenskonflikt zwischen ihrem Anlageinteresse und dem Verkaufsinteresse des Beraters erkennen zu können.

Klare Vorgaben für provisionsgetriebene Beratung gefordert

Kritik an der Beratungspraxis deutscher Finanzinstitute kommt nach dem Test der Stiftung Warentest unter anderem von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): “Ohne die Abkehr von der provisionsgetriebenen Beratung, ohne klare gesetzliche Vorgaben und effektive Kontrollen durch die Finanzaufsicht wird sich an der Qualität der Anlageberatung durch Banken und Finanzvermittler nichts ändern”, fasst vzbv-Vorstand Gerd Billen die zentralen Forderungen seines Verbandes zusammen (Banken haben nichts dazu gelernt). Die Geschäftsmodelle hätten sich überlebt, es müsse endlich ehrlich, transparent und bedarfsgerecht zugehen (siehe hierzu auch: Positionspapier des vzbv zur Anlageberatung).

Quelle: Stiftung Warentest, vzbv (siehe Links)
Bild: Stiftung Warentest (Cover der Ausgabe 1/2010)
(ENDE) finanzwertig.de/20.07.2010

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