Traditionelle Geschlechterrolle als "gläserne Decke"

Frauen in Führungspositionen: Hausarbeit statt Karriere

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Frauen in Führungspositionen leisten deutlich mehr Hausarbeit, sind seltener verheiratet und haben weniger Kinder als ihre männlichen Kollegen in deutschen Führungsetagen. Das berichtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) anlässlich des 100. Weltfrauentages am 8. März. “Die in Führungspositionen üblichen langen Wochenarbeitszeiten lassen sich mit Haushalt und Kindererziehung kaum in Einklang bringen,” bilanziert DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst. “Zwar sind Frauen heute qualifiziert wie nie, doch ihre Chancen sind schlechter. Sie treten auf der Stelle.”

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Analysen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) belegen dem DIW zufolge, dass Frauen in Führungspositionen im Jahr 2009 im Schnitt 46 Wochenstunden arbeiteten, ihre männlichen Kollegen hingegen 48 Wochenstunden. Gleichzeitig werde den Frauen aber weiterhin traditionell die Verantwortung für die Haus- und Familienarbeit zugewiesen. Während Männer in Führungspositionen zuhause nur 18 Prozent der Familienarbeit übernahmen, erledigten weibliche Führungskräfte rund 58 Prozent der häuslichen Aufgaben. Damit falle die private Arbeitsteilung der Frauen in Führungspositionen zwar wesentlich gleichberechtigter aus als bei ihren männlichen Kollegen, jedoch leisteten sie noch immer einen Großteil der Hausarbeit.

Lebensgemeinschaft statt Ehe

Darüber hinaus sind weibliche Führungskräfte offenbar seltener verheiratet als ihre männlichen Kollegen. So waren laut DIW im Jahr 2009 rund 55 Prozent der weiblichen Führungskräfte ledig, aber nur 38 Prozent der männlichen. Allerdings lebten mit 28 Prozent doppelt so viele Frauen in Führungspositionen unverheiratet in einer Lebensgemeinschaft zusammen wie Männer in Führungspositionen. Die Zahl der Single-Frauen in den Führungsetagen habe sich dagegen angeglichen: 2009 waren 16 Prozent der weiblichen und 17 Prozent der männlichen Führungskräfte alleinlebend.

Familienstand von Frauen und Männern in Führungspositionen (2009)

 DIW - Familienstand Frauen in Führungspositionen 2009 DIW - Familienstand Männer in Führungspositionen 2009

Deutliche Unterschiede zeigten sich wiederum bei der Anzahl der Kinder: Im Jahr 2009 hatten den SOEP-Daten zufolge nur 28 Prozent der weiblichen Führungskräfte Kinder, aber 38 Prozent der männlichen. Und während die Männer im Schnitt zwei Kinder hatten, war es bei den Frauen meist nur ein Kind. Mütter von Kleinkindern unter drei Jahren waren in deutschen Führungsetagen fast gar nicht zu finden, während 29 Prozent der männlichen Führungskräfte Kinder dieser Altersgruppe hatten.

Insgesamt sind Frauen dem DIW-Führungskräftemonitor zufolge in deutschen Chefetagen nach wie vor deutlich seltener vertreten als Männer. Besonders in Top-Positionen seien sie deutlich unterrepräsentiert. Ihr Anteil an den Vorständen betrage bei den deutschen Top-200-Unternehmen gerade mal 3,2 Prozent, bei den Top-100-Unternehmen seien es sogar nur 2,2 Prozent. Ein wesentliches Element dieser “gläsernen Decke”, an die Frauen im Laufe ihrer Karriere stießen, seien die immer noch vorherrschenden Vorstellungen traditioneller Geschlechterrollen. “Damit die vielen gut ausgebildeten jungen Frauen tatsächlich verstärkt zum Zuge kommen, sind nachhaltige Umstrukturierungen des beruflichen und gesellschaftlichen Alltags notwendig”, meint DIW-Expertin Holst.

Weiterführende Informationen, etwa zum Frauenanteil in den Top-Gremien deutscher Unternehmen, finden sich im DIW-Wochenbericht Nr. 3/2011: 29 von 906: Weiterhin kaum Frauen in Top-Gremien deutscher Unternehmen (.pdf-Datei).

Quelle/Grafiken: DIW Berlin
(ENDE) finanzwertig.de/07.03.2011

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Ein Kommentar
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  1. Dass eine höherer Frauenanteil Unternehmen höchstwahrscheinlich höhere Umsätze liefern kann bei Avivah Wittenberg-Cox (Women mean business) und Peter Jedlicka (Gender Balance) nachgelesen werden !

    S. Kölbler

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