Inflation frisst Lohnzuwächse

Gehaltsreport 2010: Deutsche verdienen weniger als vor 20 Jahren

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Unterm Strich haben Deutschlands Arbeitnehmer weniger im Portemonnaie als noch vor 20 Jahren: In rund jedem zweiten der 100 gängigsten Berufe verdienen die Beschäftigten weniger als 1990. Das belegt eine Einkommensstudie des Magazins “Stern” und des Hamburger Instituts Statista. Ein Lohnzuwachs gab es danach unter anderem bei Grafikern, Landwirten und Bankkaufleuten. Zu den Verlierern zählen hingegen Bäcker, Sportlehrer oder auch Ärzte.

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Für den Gehaltsreport wurde der Bruttoverdienst von vollbeschäftigten Arbeitern und Angestellten, Beamten und Selbstständigen aus dem Jahr 1990 mit dem Einkommen von 2008 verglichen. Dabei berücksichtigten die Statista-Experten auch die jährlichen Inflationsraten – die sich über den Gesamtzeitraum auf insgesamt 47 Prozent summierten. Die Geldentwertung war damit wesentlich dafür verantwortlich, dass trotz nominaler Gehaltssteigerungen die Beschäftigten in vielen Berufen unterm Strich weniger verdienten als 1990. So stiegen beispielsweise die Bruttoverdienste im Jahr 2008 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um durchschnittlich 2,3 Prozent. Gleichzeitig betrug die jährliche Teuerungsrate jedoch 2,6 Prozent – und lag damit 0,3 Prozentpunkte über dem durchschnittlichen Einkommenszuwachs.

Gewinner und Verlierer

Zu den Einkommensgewinnern zählen laut “Stern”-Gehaltsreport insbesondere Grafiker, Designer, Marketing-Spezialisten oder Makler. Aber auch Landwirte, Köche, Friseure, Kfz-Mechaniker und Postboten konnten inflationsbereinigt Einkommenszuwächse von rund einem Fünftel bis einem Drittel verbuchen.

Real weniger im Portemonnaie haben hingegen unter anderem Bäcker, Wachleute, Künstler, Psychologen oder Zahntechniker. Besonders auffällig getroffen hat es die Ärzte. Mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 6.400 Euro (für 2008) finden sie sich zwar immer noch weit oben auf der Gehaltsliste. Ihre Kaufkraft ist jedoch – als Folge der Gesundheitsreform und niedrigerer Einstiegsgehälter, wie der “Stern” schreibt – in den zurückliegenden 18 Jahren um die Hälfte gesunken.

Tabelle: Gehaltsentwicklung in ausgewählten Berufen von 1990 bis 2008 (inflationsbereinigt)

Berufe mit dem größtem Gehaltszuwachs Berufe mit dem größtem Gehaltsverlust
Grafiker&Designer +85,0 % Ärzte -50,0%
Marketing- und Absatzexperten +63,3% Sportlehrer -38,9%
Makler +61,9% Werbekaufleute -38,4%
Landwirte +36,7% Förster -37,7%
Architekten +35,8% Informatiker -34,2%
Gastronomieinhaber +33,4% Zahntechniker -31,7%
Reiseverkehrskaufleute +31,6% Künstler -27,8%
Köche +29,2% Psychologen -27,5%
Controller und Organisatoren +29,2% Wissenschaftler und Forscher -21,2%
Bankkaufleute +29,0% Lehrer (Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschule) -20,8%
Handelsvertreter +23,9% Berufskraftfahrer -20,7%
Friseure +23,1% Physiotherapeuten -19,9%
Postboten und Postbeamte +21,7% Restaurantfachleute und Kellner -19,7%
Medizinisch-technische Assistenten +20,0% Bäcker -19,7%
Kfz-Mechaniker +19,8% Wachberufe -19,2%

(Quelle: Gehaltsreport 2010 “Stern”/ Statista)

Lohnzuwächse eher bei älteren Beschäftigten

Neben den Einkommensgewinner- und -verliererberufen offenbart der Gehaltsreport noch einige allgemeine Entwicklungen. So zeigte sich, dass Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst und auch Angestellte mit Führungsaufgaben in der freien Wirtschaft ihr Bruttoeinkommen seit 1990 deutlich steigern konnten – und das auch nach Abzug der Geldentwertung.

Unterschiede ergaben sich zudem beim Generationenvergleich: Beschäftigte über 50 Jahre bekommen im Schnitt einen Bruttoverdienst von 3.310 Euro im Monat. Damit verdienen sie im Allgemeinen nicht nur 500 Euro mehr als ihre jüngeren Kollegen. Sie konnten ihr Realeinkommen auch stärker steigern und die Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre deutlich besser ausgleichen als die jüngeren Arbeitnehmer.

Urlaubs- und Weihnachtsgeld wird seltener

Zu guter Letzt haben die Lohn-Statistiker einen rückläufigen Trend bei betrieblichen Sonderzahlungen ausgemacht. Immer weniger Beschäftigte erhielten Urlaubs-, Weihnachtsgeld oder ein 13. Monatsgehalt. Dagegen setzten die Unternehmen zunehmend auf Gewinnbeteiligungsmodelle. In wirtschaftlich guten Zeiten kann das für die Arbeitnehmer mehr Geld bedeuten – während solche Prämien in Krisenzeiten eher mager aus- oder sogar komplett wegfallen können.

Quelle: Stern
(ENDE) finanzwertig.de/08.01.2010

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