Neue Regelung für Fremdabhebungen

Geldautomaten: Abhebe-Gebühren werden angezeigt

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Mehr Transparenz am Geldautomaten: Wer seit Samstag, 15. Januar 2011, an einem fremden Geldautomaten Bares abhebt, muss jetzt zuvor über die anfallenden Kosten informiert werden. Eine von Verbraucherschützern und Politik geforderte einheitliche Gebührenobergrenze für alle Geldinstitute gibt es jedoch auch weiterhin nicht. Hohe Abhebe-Gebühren für Fremdkunden drohen vor allem bei einigen Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Geldautomat – Information zu Abhebe-Gebühren an Fremdautomaten Pflicht Sei es auf Reisen oder abends vor dem Ausgehen – schnell mal am nächsten Geldautomaten “Bares” zu ziehen, das konnte bislang teuer werden. Denn wer bei einem “fremden” Automaten Geld abhob, musste dafür immer höhere Gebühren zahlen. Im Schnitt berechneten Banken für eine Geldabhebung außerhalb ihres eigenen Automatennetzes 5,64 Euro, wie eine Auswertung der Finanzberatung FMH unter 200 Banken im vergangenen Jahr ergab. Teilweise reichte die Spanne sogar bis zu zehn Euro je Abhebung.

Keine einheitliche Obergrenze für alle Banken

Doch damit soll jetzt Schluss sein: Nachdem die deutlich gestiegenen Gebühren – 2007 lagen die Durchschnittskosten noch bei 4,38 Euro – Verbraucherschützer und die Politik auf den Plan gerufen hatten, verständigten sich Banken und Sparkassen auf eine freiwillige Selbstverpflichtung. Danach soll die auszahlende Bank künftig die Abhebungsgebühr direkt vom Kunden kassieren – sie muss diesen jedoch zuvor klar erkennbar über die Höhe der Kosten informieren. Dazu reicht in der laufenden Übergangsphase noch ein gut sichtbarer Aufkleber am Automaten aus. Ab Sommer sollen die Fremdkunden die Gebühr direkt auf dem Bildschirm ablesen können. Wissen die Kunden, wie teuer das Abheben für sie wird, können sie noch aufs “Fremdgehen” verzichten und nach einem Automaten der eigenen Bankengruppe suchen – so die Überlegung der Banken dazu.

Eine von Verbraucherschützern geforderte maximale Abhebe-Gebühr wird es vorerst allerdings auch weiterhin nicht geben. Zwar haben die Privatbanken angekündigt, die Kosten für die Abhebung für Fremdkunden auf höchstens 1,95 Euro begrenzen zu wollen. Die selbstständig agierenden Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken – die zusammen gut drei Viertel aller Geldautomaten in Deutschland betreiben – wollen ihre Preise aber weiterhin individuell festlegen. Dabei ist vermutlich in eher dünn besiedelten Regionen, wo Kunden weniger Möglichkeiten haben, um auf die Bankautomaten anderer Institute auszuweichen, mit weiterhin hohen Gebühren zu rechnen.

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Konkurrenz zwischen Filial- und Direktbanken

Doch selbst wenn sich alle Banken auf eine maximal Abhebe-Gebühren von zwei Euro einigen würden, wären Fremdabhebungen für die Banken immer noch ein lohnendes Geschäft. Immerhin kostet das Abheben für die Bank, die den Automaten zur Verfügung stellt, laut Experten im Schnitt nur zwischen 50 und 70 Cent pro Vorgang. Dabei habe sich der Aufwand für die Abrechnung zwischen den einzelnen Instituten in den vergangenen Jahren nicht erhöht. Die Kosten seien somit kein Argument für die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Gebühren.

Ein wesentlicher Grund hierfür ist nach Meinung von Verbraucherschützern vielmehr der verschärfte Wettbewerb zwischen den Filialbanken auf der einen und den Direktbanken auf der anderen Seite. Durch den Verzicht auf eigene kostspielige Filialstrukturen können Direktbanken bessere Konditionen bieten. Damit werben sie erst Kunden von den etablierten Kreditverbünden ab – nur um sie dann zum Geldabheben wieder die Geräte von Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken nutzen zu lassen. Wenig verwunderlich also, dass Regionalbanken hier mit weiterhin höheren Abhebe-Gebühren für Fremdkunden gegensteuern wollen.

Automatenpools nutzen

Statt sich beim Geldabheben bei fremden Banken über hohe Gebühren zu ärgern, ist es besser, sich gleich am Geldautomatennetz der Hausbank zu orientieren. Hier haben sich inzwischen mehrere Gruppen gebildet, innerhalb derer die Kunden der Mitgliedsbanken kostenlos Geld mit ihrer Giro-Karte (früher EC-Karta) abheben können. Das sind im Wesentlichen die folgenden vier:

  • Sparkassen:
    Der Sparkassenverband bietet mit über 25.000 Automaten bundesweit das dichteste Netz für seine Kunden an. Alle Sparkassen-Kunden können sich hier mit der SparkassenCard kostenlos mit Bargeld versorgen.
  • Volks- und Raiffeisenbanken:
    Das Geldautomatennetz der genossenschaftlichen Bankengruppe mit rund 19.000 Geldautomaten ist im BankCard ServiceNetz zusammengeschlossen. Bis auf vier Institute nehmen alle Volks- und Raiffeisenbanken daran teil.
  • Cash Group:
    Die Cash Group ist ein Zusammenschluss insbesondere der großen Geschäftsbanken in Deutschland. Die Kunden können an bundesweit rund 9.000 Automaten kostenlos Bargeld mit der Giro- oder Bankkarte ziehen. Mitglied sind unter anderem Commerzbank, Deutsche Bank, HypoVereinsbank oder die Postbank sowie deren Tochterunternehmen (norisbank, comdirect, DABbank, Berliner Bank, u.a.).
  • Cash Pool:
    Der Zusammenschluss zum Cash Pool ermöglicht es den Kunden der teilnehmenden Banken an über 2.500 inländischen Geldautomaten Bares abzuheben. Angeschlossen sind hier BBBank eG, Targobank, Degussa Bank, Santander Consumer Bank, SEB, die Sparda-Banken, die Südwestbank sowie die Wüstenrot-Bank.

Kosten im Urlaub

Der Preis für Abhebungen an ausländischen Geldautomaten variiert je nach Kreditinstitut und Reiseland – hierzu erkundigt man sich am Besten vor Reiseantritt bei der eigenen Hausbank. Manche Kreditinstitute haben zudem Kooperationen mit ausländischen Banken abgeschlossen. So können beispielsweise Kunden der Deutschen Bank bei der Bank of America (USA), Barclays (Großbritannien, Kenia, Mauritius oder Tansania), BNP Paribas (Frankreich) oder der Scotiabank (Kanada, Dominica, Grenada, Jamaika, u.a.) kostenlos Geld aus den Automaten ziehen.

Bild: Ge.Ko2
(ENDE) finanzwertig.de/17.01.2011

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