"Schwarze Liste" gegen Versicherungsbetrug

Hintergrund: Das Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherungen

Kategorien: Versicherungen, aktuell | Tags: , , , ,

Durch fehlerhafte, unwahre, unvollständige oder betrügerische Angaben entsteht der deutschen Versicherungswirtschaft Jahr für Jahr ein Schaden von rund vier Milliarden Euro. Um sich dagegen zu schützen, nutzen inzwischen fast alle Versicherungen das seit 1993 existierende Hinweis- und Informationssystem (HIS). Hier werden – ähnlich wie bei der Schufa für die Zahlungsfähigkeit von Bankkunden – Versicherte mit atypischen und/oder manipulierten Schadensmeldungen und somit hohem Risiko registriert.

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Mit Ausnahme der privaten Krankenversicherung sind alle Versicherungen am HIS beteiligt. Nach einer infolge datenschutzrechtlicher Bedenken notwendig gewordenen Überarbeitung des Informationssystems werden die gemeldeten Daten jedoch seit April 2011 separat für die einzelnen Versicherungsarten gespeichert. Einzelnen Sachbearbeitern ist es seither auch nicht mehr möglich, über alle Datensätze hinweg ein Gesamtprofil für eine Person zu erstellen.

Meldekriterien für das HIS

Eine Eintragung in das Informationssystem kann für einzelne Personen (wie Versicherungsnehmer, Geschädigte oder Zeugen) und Objekte (Fahrzeuge, Gebäude, etc.) erfolgen. Die Meldung muss sich mindestens in eine der nachfolgenden vier Kategorien einordnen lassen:

  • Atypische Schadenhäufigkeit:
    Ab wann eine übermäßig hohe Schadenhäufigkeit angenommen wird, variiert je nach Versicherungssparte. In der Rechtsschutzversicherung liegt die Grenze hierfür beispielsweise bei vier oder mehr Schadenfällen innerhalb von zwölf Kalendermonaten.
  • Besondere Schadenfolgen:
    Hier werden beispielsweise ab einer gewissen Schadenssumme die Fahrzeuge erfasst, deren Schäden nicht wirklich repariert, sondern nur fiktiv auf Gutachterbasis abgerechnet werden. So soll vermieden werden, das der nicht reparierte Fahrzeugschaden nach einem Versicherungswechsel erneut abgerechnet wird.
  • Erschwerte Risiken:
    Vor allem im Bereich der Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung werden hier besondere Risiken der Versicherungsnehmer erfasst (wie eine risikoerhebliche Vorerkrankung oder ein besonders gefahrenträchtiger Beruf). So sollen Assekuranzen besser nachprüfen können, ob ein Antragsteller alle ihm gestellten Fragen zur Tarifbestimmung wahrheitsgetreu beantwortet hat.
  • Auffälligkeiten im Schaden-/Leistungsfall:
    Hier werden beispielsweise die an einem auffälligen Schadenfall beteiligten Personen (Verursacher, Geschädigter, Zeugen) oder besondere Schadensursachen erfasst. So soll vor allem banden- und gewerbsmäßiger Versicherungsbetrug (wie durch so genannte “Autobumser-Banden”) erkannt werden.

Eine Meldung im HIS löst nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft ausdrücklich keinen Automatismus aus: Sie bedeute insbesondere nicht, dass betroffene Versicherungskunden keine neuen Versicherungsverträge mehr erhielten oder künftige Versicherungsfälle abgelehnt würden. Ein HIS-Eintrag sei für die Assekuranzen vielmehr nur ein Signal, bestimmte Aspekte (z.B. Gesundheitszustand, Unfallhergang, Schadenumfang) in der Bearbeitung näher zu betrachten.

Recht auf Selbstauskunft

Im Gegensatz zur Schufa wissen viele Versicherungskunden bislang kaum um die Existenz des Hinweis- und Informationssystem der Versicherungen – geschweige denn, aus welchem Anlass und mit welchen Hinweisen jemand dort eingetragen werden kann. Ob Daten zu einem selbst in der HIS-Datenbank vorliegen, erfährt man (einmal pro Jahr kostenlos) über einen schriftlichen Antrag bei der eigens von den Versicherungen gegründeten informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH (Kontaktdaten für Selbstauskunft hier). Den Grund für eine Eintragung müssen Verbraucher dann gegebenenfalls wiederum bei dem jeweiligen Versicherer erfragen, der die Eintragung veranlasst hat.

Über neue Eintragungen in der “schwarzen Liste” müssen die Versicherungsunternehmen die Betroffenen seit April 2009 sofort informieren. Diese können dann fehlerhaften Einträgen widersprechen und auch deren Löschung fordern. Weigert sich der Versicherer, ist eine Beschwerde beim Versicherungs-Ombudsmann oder eine Klage möglich.

Daten bleiben bis zu zehn Jahren gespeichert

Aktuell (d.h. zum 1. April 2011) umfasst die Datenbank rund fünf Millionen Einträge für sämtliche Versicherungssparten. Die einzelnen Datensätze werden regulär für vier Kalenderjahre im HIS gespeichert – beginnend mit dem auf die erstmalige Speicherung folgenden Kalenderjahr. Bei wiederholten Meldungen kann sich die Speicherfrist auf maximal zehn Jahre verlängern.

Für weitere Informationen zum HIS siehe auch:


Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
(ENDE) finanzwertig.de/04.04.2011

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  1. [...] zum Thema: Das Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherungen Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (Pressemeldung als .pdf-Datei) (ENDE) [...]

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