Exchange Traded Funds

Indexfonds: Neue Gefahrenquelle für die Finanzmärkte?

Kategorien: Banken, Konten & Kredite, Geldanlage, Wirtschaftsnachrichten, aktuell | Tags: , , , ,

In den vergangenen Wochen mehren sich die Warnungen, dass börsengehandelte Indexfonds zu einem Risiko für das internationale Finanzsystem werden können. Die Kritik der Finanzmarktaufseher richtet sich vor allem gegen die bei vielen Indexfonds gängigen SWAP- und Wertpapierverleihgeschäfte.

ANZEIGE

Indexfonds gelten eigentlich als unkomplizierte und relativ harmlose Form der Geldanlage. Diese sogenannten Exchange Traded Funds (ETF) sollen einzelne Indizes wie den DAX und den EuroStoxx50 oder auch einen Währungs- oder Rohstoffkorb möglichst exakt nachbilden. So können Anleger nahezu 1:1 an der Kursentwicklung einzelner Märkte teilhaben. Da die Verwaltungskosten der ETFs deutlich unter denen von aktiv gemanagten Fonds liegen – und von diesen zudem meist nur ein kleiner Teil besser als der jeweilige Vergleichsindex abschneidet – haben sich die börsennotierten Indexfonds in den vergangenen Jahren zu einem Verkaufsschlager entwickelt.

Doch gerade in dem großen Erfolg der Indexfonds sehen einige Finanzexperten ein neues Risiko für das internationale Finanzsystem. Ihre Kritik richtet sich dabei vor allem an die sogenannten synthetischen ETFs, die in Europa bereits zwischen 40 und 50 Prozent des Gesamtmarktes ausmachen. In ihnen stecken meist nicht die Einzelwerte des zugrunde liegenden Index. Stattdessen werden im Rahmen von SWAP-Geschäften mit einer Bank – oft handelt es sich dabei um das Mutterhaus der Fondsgesellschaft – Wertpapiere aus dem Indexfonds gegen andere Wertpapiere getauscht, welche die Bank gerade nicht benötigt. Gleichzeitig garantiert das Geldhaus die Übernahme von Verlusten, falls sich die indexfremden Wertpapiere schlechter entwickeln als der Wert des abgebildeten Index.

Riskante Nebengeschäfte

Doch diese Garantie hat einen Haken: Sollte eine solche Bank Pleite gehen, blieben die ETF-Anleger auf möglichen Verlustnachzahlungen sitzen, warnt beispielsweise der vom italienischen Notenbankchef Mario Draghi geleitete Internationale Finanzstabilitätsrat (FSB). Riskant sei zudem die unter Indexfonds verbreitete Praxis, die besonders bei Standardindizes geringen Gewinnmargen durch Wertpapierleihgeschäfte aufzubessern. Dabei werden Wertpapiere aus den Fondsportfolios gegen Gebühr zeitweise an andere Marktteilnehmer verliehen. Das können beispielsweise Hedgefonds sein, die auf fallende Börsenkurse gewettet haben und dies mit dem Verkauf der von den ETFs geliehenen Aktienpakete unterstützen wollen.

Gehen diese Wetten nicht auf und geraten die Spekulanten in eine finanzielle Schieflage, sehen die Indexfonds dem FSB zufolge womöglich ihre verliehenen Wertpapiere nicht mehr wieder – zum Schaden ihrer Anteilseigner. Zudem könne ein ETF durch einen hohen Anteil an getauschten oder verliehenen Wertpapieren in Zahlungsschwierigkeiten kommen, falls eine große Zahl von Anlegern nach einem deutlichen Anstieg des Index ihre Fondsanteile verkaufen will.

Ebenfalls deutliche Kritik an der ETF-Branche kam bereits im Mai aus Großbritannien: “Wenn Finanzinstrumente unverständlich werden und ein Markt eine Größe erreicht, die sogar die Stabilität des Systems gefährden kann, dann sollten sich die Aufseher darum kümmern”, mahnte der britische Notenbanker Paul Tucker. Unterstützung bekam er durch den Investment-Veteran Terry Smith, der vor allem die Entwicklung der ursprünglich recht transparenten Indexfonds in hochkomplexe Finanzinstrumente kritisiert. “Die Entwicklung ist halsbrecherisch, ich frage mich nur, wessen Hals am Ende gebrochen wird”, erklärte der Chef des Londoner Brokers Tullett Prebon, der in den börsengehandelten Indexfonds bereits die Saat für die nächste Finanzkrise keimen sieht.

Mehr zum Thema:


Quelle: siehe Links
(ENDE) finanzwertig.de/16.06.2011

  • Share/Bookmark
Weitere Artikel zum Thema:

RSS-Grafik
Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie doch den finanzwertig.de-Feed. So werden Sie immer mit den aktuellen Beiträgen versorgt.

Artikel kommentieren