Ländermonitor "Frühkindliche Bildungssysteme"

Kita-Ganztagsangebote: Ostdeutsche Länder liegen vorn

Kategorien: Kinder & Familie, aktuell | Tags: , , , , ,

In Deutschland gibt es zwischen den 16 Bundesländern erhebliche Unterschiede bei den Ganztagsangeboten in Kindertageseinrichtungen für Kinder über drei Jahren. Auffällig ist das erhebliche Ost-West-Gefälle. Während in den ostdeutschen Ländern fast drei Viertel (72 Prozent) der über dreijährigen Kita-Kinder ganztags betreut werden, sind es in den westdeutschen Ländern nur etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent). Das geht aus dem Ländermonitor “Frühkindliche Bildungssysteme” der Bertelsmann Stiftung hervor.

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In der Spitzengruppe bei den Ganztagsangeboten für Kinder über drei Jahren liegen demnach die ostdeutschen Bundesländer. Hier betrage der Anteil der Kita-Kinder ab drei Jahren in einer Ganztagsbetreuung zwischen 90 Prozent (Thüringen) und 57 Prozent (Brandenburg). In allen westdeutschen Bundesländern seien dagegen weniger als 50 Prozent der Kita-Kinder ab drei Jahren in einer Ganztagsbetreuung. Am Besten schnitten dort noch Hamburg (42 Prozent) und Hessen (40 Prozent) ab. Die rote Schlusslaterne halte Baden-Württemberg mit einem Anteil von nur 13 Prozent (siehe Tabelle).

Die erheblichen Unterschiede bei den Ganztagsangeboten in deutschen Kindertageseinrichtungen hingen insbesondere mit den unterschiedlichen Rechtsansprüchen auf Landesebene zusammen: Der zeitliche Betreuungsumfang sei hier nicht einheitlich definiert. “Wir brauchen einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für jedes Kind – und zwar unabhängig von der Erwerbs- oder Ausbildungssituation der Eltern”, fordert daher das für Bildung zuständige Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, Dr. Jörg Dräger.

Tabelle: Anteil der Ganztagsbetreuung in den einzelnen Bundesländern

Bundesland Anteil Kita-Kinder
ab drei Jahren
in Ganztagsbetreuung
Baden-Württemberg 13,6 Prozent
Bayern 25,7 Prozent
Berlin 59,1 Prozent
Brandenburg 57,1 Prozent
Bremen 25,4 Prozent
Hamburg 42,4 Prozent
Hessen 40,2 Prozent
Mecklenburg-Vorpommern 60,1 Prozent
Niedersachsen 16,2 Prozent
Nordrhein-Westfalen 36,6 Prozent
Rheinland-Pfalz 35,2 Prozent
Saarland 27,3 Prozent
Sachsen-Anhalt 61,5 Prozent
Sachsen 81,4 Prozent
Schleswig-Holstein 18,4 Prozent
Thüringen 90,7 Prozent

Insgesamt hat die Bertelsmann Stiftung eine steigende Nachfrage nach längeren Betreuungszeiten ausgemacht, da in immer mehr Familien beide Eltern ganztags arbeiten. Gleichzeitig böten Ganztagsplätze auch mehr Zeit für die frühkindliche Förderung, was zu einem besseren Abbau von Bildungsungleichheiten beitrage. Wie viele Ganztagsangebote tatsächlich gebraucht werden, solle vor Ort entschieden werden. Experten forderten im 12. Kinder- und Jugendbericht aus bildungs- wie sozialpolitischen Gründen, mindestens die Hälfte der Kita-Plätze ganztags anzubieten. Dieser Zielwert sei bislang in keinem der westdeutschen Bundesländer erreicht.

Ganztagsbetreuung fördert Eingliederung

Positiv hebt die Bertelsmann Stiftung hervor, dass in einigen Bundesländern mehr Kinder ab drei Jahren mit Migrationshintergrund eine Ganztagsbetreuung nutzen als Kinder ohne Migrationshintergrund. So besuchten beispielsweise in Nordrhein-Westfalen mehr als 41 Prozent in dieser Altersgruppe mit Migrationshintergrund ganztags eine Kita, aber nur 34 Prozent ohne Migrationshintergrund. Auch in Bayern liege die Quote von Kindern mit Migrationshintergrund mit über 38 Prozent deutlich über dem Anteil der Kinder ohne Migrationshintergrund (21,5 Prozent). Ähnlich sei die Situation in Schleswig-Holstein: Dort besuchten 16,6 Prozent der Kinder ohne Migrationshintergrund, aber immerhin 27,5 Prozent mit Migrationshintergrund ganztägig eine Kita. Damit erfüllten diese Bundesländer die Forderung zahlreicher Experten aus Wissenschaft und Politik, besonders Kinder mit Migrationshintergrund ganztags zu fördern – denn die ganztägige Betreuung biete mehr Zeit für frühe Bildung und den Erwerb der deutschen Sprache.

Weitere Informationen zum Ländermonitor “Frühkindliche Bildungssysteme” bietet die Bertelsmann Stiftung auf einer separaten Webseite unter www.laendermonitor.de. Ab September 2011 sollen hier auch umfangreiche Profile zu den einzelnen Bundesländern verfügbar sein.

Quelle: Bertelsmann Stiftung
(ENDE) finanzwertig.de/19.07.2011

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Ein Kommentar
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  1. Was die Kinderbetreuung angeht sehe ich enorme Unterschiede zwischen Ost und West. Die im Artikel genannten Zahlen spiegeln nämlich auch den Anteil an Hausfrauen zwischen Ost und West wieder. Während die Frauen aus dem Osten meist arbeiten gehen (halbtags oder ganztags) gibt es im Westen viel mehr “Hausfrauen”. Diese Erfahrungen die ich im Bekanntenkreis gesammelt habe, spiegeln sich in den Zahlen wieder.

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