DIW-Sommergrundlinien 2011

Konjunkturausblick: Es brummt weiter in Deutschland

Kategorien: Finanzpolitik, Wirtschaftsnachrichten, aktuell | Tags: , , , , ,

Die deutsche Konjunktur wird nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auch 2011 kaum an Fahrt verlieren. Demnach ist trotz einer leichten Abkühlung im zweiten Quartal für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von 3,2 Prozent zu rechnen. Und auch 2012 werde die Wirtschaft mit 1,8 Prozent noch deutlich zulegen, unter anderem gestützt durch die hohe Kompetenz und Spezialisierung der deutschen Exportwirtschaft.

Export am Hamburger Hafen
Exportboom auch am
Hamburger Hafen

“Motor des Wachstums sind nach wie vor die Exporte. Doch auch von den inländischen Investitionen gehen starke Impulse aus”, fasst DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner die Entwicklung zusammen. Die Wachstumsdynamik schwäche sich zwar ab, stehe aber auf einer zunehmend breiteren Basis. Denn aufgrund der günstigen Arbeitsmarktlage und steigender Löhne dürfte der Aufschwung mehr und mehr auch beim privaten Konsum ankommen.

Erholung am Arbeitsmarkt setzt sich fort

Das erfreulich starke Wirtschaftswachstum sorge für eine weitere Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt. Der spürbare Beschäftigungsaufbau werde sich bis ins kommende Jahr fortsetzen und die Arbeitslosigkeit weiter sinken. “Wir erwarten, dass die Arbeitslosenquote dieses Jahr im Schnitt bei sieben Prozent liegen wird und damit deutlich unter den fast acht Prozent im letzten Jahr”, ist DIW-Konjunkturexperte Simon Junker überzeugt. Und auch nächstes Jahr dürfte sich die Situation am Arbeitsmarkt noch einmal verbessern.

Die Löhne werden nach DIW-Erwartungen dieses und vor allem nächstes Jahr kräftig steigen. “Die Spielräume der Unternehmen sind angesichts der kräftigen Produktionssteigerungen beachtlich”, meint Junker. Vor allem in den exportorientierten Branchen sollten die Gewinne weiter kräftig wachsen. Davon dürften auch die Beschäftigten profitieren. Insgesamt rechnet man beim DIW für 2011 und 2012 mit einer durchschnittlichen Pro-Kopf-Lohnsteigerungen von knapp 2,5 bzw. 3 Prozent.

Trotz guter Konjunktur kein Spielraum für Steuersenkungen

Die gute Konjunktur werde auch die Lage der Staatsfinanzen deutlich verbessern. Der DIW-Prognose zufolge sollen die Ausgaben für Arbeitslosengeld fallen, während gleichzeitig die Steuereinnahmen und Sozialbeiträge kräftig anziehen. Im Ergebnis werde sich in diesem Jahr das öffentliche Defizit auf 1,7 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts fast halbieren und im nächsten Jahr unter die Ein-Prozent-Marke fallen.

Pläne für Steuersenkungen lehnen die DIW-Experten gleichwohl ab: “Die Verbesserungen des Staatshaushalts sind fast nur der guten Konjunktur zu verdanken. Die Politik hat bisher durch Konsolidierungen nur sehr wenig beigetragen”, erklärt DIW-Konjunkturchef Fichtner. Jetzt die Steuern zu senken, sei angesichts der hohen öffentlichen Verschuldung, der Vorgaben der Schuldenbremse, aber auch angesichts zukünftiger Belastungen zum Beispiel für die Euro-Rettung oder die Energiewende, kaum zu verantworten.

Leichte Abkühlung der Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft bleibt nach Einschätzung des DIW weiterhin auf Expansionskurs, kühlt sich aber etwas ab. “Die erste Jahreshälfte war zwar noch sehr kräftig, im weiteren Jahresverlauf wird die Weltwirtschaft aber eine ruhigere Gangart einschlagen”, so Fichtner weiter. Die Impulse der Konjunkturprogramme ließen nach, die Spielräume für weitere fiskalische Maßnahmen seien vielerorts weitgehend ausgeschöpft. Die Geldpolitik werde angesichts hoher Inflationsraten vor allem in den Schwellenländern zunehmend restriktiv. Zusätzliche Risiken für die weltwirtschaftliche Entwicklung drohten infolge der anhaltenden Schuldenkrise im Euroraum und der Möglichkeit eines US-Haushaltsnotstands.

Die deutsche Wirtschaft wird dem DIW zufolge jedoch von der leichten Abkühlung der weltwirtschaftliche Entwicklung nicht sehr stark betroffen sein. Ausschlaggebend hierfür seien unter anderem die hohe Spezialisierung und die technologische Kompetenz in der deutschen Exportwirtschaft. Selbst bei einem anhaltend starken Euro könne weiterhin mit einer kräftigen Exportnachfrage nach hochwertigen Industriegütern gerechnet werden. Diese würden von den wachstumsstarken Schwellenländern, insbesondere von China, kräftig nachgefragt.

Europäische Geldpolitik weiter vor Herausforderungen

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Die Euroländer driften in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zurzeit auseinander. Zwar sei das Wachstum in Deutschland kräftig und in Frankreich moderat; Spanien und Italien stagnierten jedoch unverändert und der Ausblick für Griechenland sei düster. Die Europäische Zentralbank befinde sich somit in einer sehr schwierigen Situation: “Die derzeitige Geldpolitik ist allenfalls für die südeuropäischen Mitgliedsländer der Währungsunion angemessen, nicht aber für die übrigen Länder, in denen deutlich höhere Zinsen angebracht wären”, erläutert Konjunkturexperte Fichtner. Zudem habe die Glaubwürdigkeit der EZB während der Euro-Schuldenkrise gelitten. “Die EZB wäre gut beraten, sich wieder auf die Sicherung der Preisstabilität zu konzentrieren und sich aus der Rettung der südeuropäischen Krisenländer etwas mehr herauszuhalten”, so Fichtner weiter.

Bei der Rettung Griechenlands sind nach Einschätzung der DIW-Konjunkturexperten weitere Kapitalspritzen nicht zielführend. Griechenlands Schulden seien so hoch, dass das Land unter der Zinsbelastung zusammenbreche. Auch ein weiterer Rettungsschirm könne da keine Abhilfe schaffen. Griechenland brauche vielmehr einen Schuldenschnitt, nur dann habe das Land eine Chance auf eine selbstständige Erholung von der Krise.

Ausführlichere Informationen zum DIW-Konjunkturausblick gibt es auf der Webseite des DIW Berlin: Sommergrundlinien 2011 (DIW Wochenbericht 26/27 2011, .pdf-Datei).

Quelle: DIW Berlin
Bild: aboutpixel.de / Henning Bokelmann (Hamburg-Hafen)
(ENDE) finanzwertig.de/07.07.2011

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