Wenn Kollegen Kollegen quälen

Mobbing am Arbeitsplatz: So sieht es rechtlich aus

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Mobbing ist längst kein Modewort mehr, sondern häufige Realität am Arbeitsplatz. Die Schikanen der Kollegen können fatale Auswirkungen auf Körper und Geist der Betroffenen haben. Seelischer Druck, erhöhte Krankschreibungen und damit Verdienstausfall sind die Folge. Doch welche Rechte haben Mobbing-Opfer eigentlich? Wie können sie sich juristisch dagegen wehren? Informationen hierzu geben die Experten der Advocard Rechtsschutzversicherung.

Mobbing am Arbeitsplatz
Mobbing am Arbeitsplatz: Systematische und fortgesetzte Schikanen

Grundsätzlich stellt Mobbing einen Eingriff ins Allgemeine Persönlichkeitsrecht dar. Dieses gründet sich auf den Artikeln I und II des Grundgesetzes: Menschenwürde und freie Entfaltung der Persönlichkeit. Die Gerichte gehen davon aus, dass beim Mobbing diese Grundrechte beeinträchtigt werden. “Da Mobbing juristisch nicht näher definiert ist, versuchen die Gerichte so den psychischen und immateriellen Schaden der Opfer juristisch zu fassen”, erklärt Anja-Mareen Decker, Rechtsexpertin der Advocard Rechtsschutzversicherung.

Arbeitsalltag, Meinungsverschiedenheit oder Mobbing?

Wann der Tatbestand des Mobbing erfüllt ist, lässt sich allerdings oftmals schwierig beurteilen. Ein gelegentlicher Streit unter Kollegen oder mit dem Vorgesetzten ist noch keine Hetze. “Die Besonderheit beim Mobbing ist, dass es sich um fortgesetzte und aufeinander aufbauende Verhaltensweisen handelt”, führt Decker aus. Für sich betrachtet, seien die einzelnen Vorkommnisse juristisch nicht relevant. Erst durch das Zusammenspiel der Einzeltaten komme es zu einer Verletzung des Persönlichkeitsrechts.

Um juristisch vorgehen zu können, müssen Mobbing-Opfer daher eine Systematik und Regelmäßigkeit der Schikanen nachweisen. Dabei sollte erkennbar werden, dass Äußerungen und Anweisungen nur darauf abzielen, einen Arbeitnehmer systematisch und fortgesetzt zu beleidigen. Zudem dürfen die als Mobbing empfundenen Maßnahmen nicht im Zusammenhang mit dem normalen Arbeitsablauf stehen: Versetzungen, nicht bewilligte Fortbildungen, berechtigte Kritik am Verhalten eines Angestellten oder der Entzug bestimmter Aufgabenbereiche sind nicht zwangsläufig Mobbing, sondern können gerechtfertigte Geschäftsentscheidungen sein.

Schadensersatz und Schmerzensgeld

Welche juristischen Möglichkeiten und Rechte haben Mobbing-Opfer? “Betroffene haben vorrangig den Wunsch, dass die Schikanen aufhören. Empfehlenswert ist daher, erst einmal eine Klärung innerhalb des Betriebs anzustreben”, empfiehlt Rechtsexpertin Decker. Hierfür eigne sich das Gespräch mit dem Vorgesetzten oder gegebenenfalls die Einschaltung des Betriebsrats. Juristisch bestehe die Möglichkeit, mit Hilfe eines Fachanwalts bei Gericht einen Unterlassungsanspruch geltend zu machen.

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Der gemobbte Arbeitnehmer kann zudem Schadenersatzansprüche einfordern. Das reicht von der Rückerstattung etwaiger Behandlungskosten bis hin zu Schmerzensgeld. Dafür muss jedoch durch ärztliche Atteste und Gutachten ein Zusammenhang zwischen dem Mobbing und einer möglichen Gesundheitsbeeinträchtigung oder Persönlichkeitsverletzung glaubhaft gemacht werden. Dabei können Mobbing-Opfer auch vom Arbeitgeber Schadensersatz verlangen – sofern dieser von den Schikanen Kenntnis besaß und nicht eingegriffen hat.

Allgemein gestaltet sich die Beweislage bei Mobbing-Vorfällen meist nicht einfach. Betroffene sollten daher immer einen Anwalt zurate ziehen, der auf derartige Fälle spezialisiert ist. Rechtsschutzversicherte erhalten hier in der Regel auch Unterstützung durch ihre Versicherung.

(Cross-Post mit Rechtsschutzversicherung-Vergleich24.info)

Quelle: Advocard Rechtsschutzversicherung AG
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

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