Mangelnde Liquidität

Offener Immoblienfonds Degi Europa wird aufgelöst

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Die Krise bei den offenen Immobilienfonds erreicht einen neuen Höhepunkt: Der 1,3 Milliarden Euro schwere Immobilienfonds Degi Europa wird liquidiert, wie die verantwortliche Fondsgesellschaft Aberdeen jetzt mitgeteilt hat. Wenige Wochen zuvor musste bereits der Konkurrent Kanam seinen deutlich kleineren Immobilienfonds US-Grundinvest zur Auflösung anmelden. Das Vertrauen der Anleger in die zuvor stets als besonders sicher gegoltene Möglichkeit der Geldanlage wird damit weiter geschwächt.

Bauruine als Symbolbild für die Schließung des offenen Immobilienfonds Degi Europa Anleger des Degi Europa kommen bereits seit zwei Jahren nicht mehr an ihr Geld: Infolge der Turbulenzen auf den Immobilienmärkten und dadurch mangelnder eigener Liquidität war der Immobilienfonds im Oktober 2008 eingefroren worden. Dieses Vorgehen ist per Gesetz jedoch nur übergangsweise für maximal zwei Jahre erlaubt. Die Zeit soll der Fondsgesellschaft Gelegenheit geben, die Liquidität des eingefrorenen Fonds durch den Verkauf fondseigener Immobilien zu erhöhen.

Kurz vor Ablauf der zweijährigen Schonfrist muss Aberdeen allen gegenteiligen Anstrengungen zum Trotz jedoch eingestehen, dass das angespannte Marktumfeld keine erneute Öffnung des Fonds zulasse. Nach eingehender Prüfung sei es nicht garantiert, dass die vorhandene Liquidität von über 30 Prozent ausreiche, um die zu erwartenden Anteilsrückgaben durch die Anleger zu bedienen. Anders als bisher angestrebt, werde der Degi Europa daher nicht bis zum 30. Oktober 2010 wieder geöffnet, sondern komplett geschlossen.

Halbjährliche Rückzahlung angestrebt

Den Anlegern des Degi Europa will Aberdeen ihr Geld in halbjährlichen Raten zurückzahlen. Eine erste große Tranche werde “voraussichtlich im Januar 2011 an die Anleger ausgezahlt”. Diese Methode sei der fairste Weg, sowohl professionellen wie auch Privatanlegern geordnet Rückzahlungen zu gewähren, erklärt die Fondsgesellschaft. Dabei sollen alle Anleger pro Anteilschein einen bestimmten Betrag erhalten, gleichzeitig sinke der Anteilpreis ihrer Anlage entsprechend. Das Verfahren soll sich bei entsprechenden Veräußerungserlösen halbjährlich über den Zeitraum der gesamten Auflösung bis zum 30. September 2013 wiederholen.

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Seit Aussetzung der Anteilsrücknahme im Oktober 2008 hat Aberdeen bis heute eigenen Angaben zufolge Immobilien im Wert von 423 Millionen Euro veräußert. Zudem sei man nach wie vor in “intensiven Gesprächen” mit unterschiedlichen Investoren, um die weiteren Immobilien zu bestmöglichen Preisen zu veräußern. Die Fondsgesellschaft betont darüber hinaus, dass die Auflösung des Degi Europa keine Auswirkungen auf andere Immobilienfonds aus dem eigenen Haus habe. Für den ebenfalls von der Anteilsrücknahme ausgesetzten offenen Immobilienfonds Degi International halte Aberdeen “grundsätzlich an einer Wiedereröffnung fest”.

Hintergrund: Degi Europa

Der Degi Europa (WKN: 980780) wurde 1972 aufgelegt. Lange Zeit galt er als ein erfolgreicher Klassiker unter den offenen Immobilienfonds: Seit Auflegung beträgt seine Wertentwicklung laut Aberdeen insgesamt 550 Prozent bzw. durchschnittlich 5,1 Prozent im Jahr. Infolge der Finanzkrise gerieten der Degi Europa – und mit ihm eine Reihe weiterer Immobilienfonds – in Schwierigkeiten, nachdem Anleger in größerem Ausmaß ihr Geld abziehen wollten, die Fonds ihre Immobilien aber nicht schnell genug zu den von ihnen erwarteten Preisen verkaufen konnten.

Mehr zur Krise der offenen Immobilienfonds:

Degi Europa bereitet halbjährliche Rückzahlungen an Anleger vor (Pressemeldung von Aberdeen)
Liquiditätsnot: Immobilienfonds Degi Europa macht dicht (Handelsblatt)
Tabubruch in der Immobilienbranche: Kanam löst US-Fonds auf (n-tv.de)
Reformbedarf: Immobilienfonds zum Risikoprodukt erklärt (FAZ.net)
Immobilienfonds in der Krise (Artikelsammlung von “Das Investment”)

Nachtrag vom 26. Oktober 2010: Nach Kanam und Aberdeen hat nun auch die US-Bank Morgan Stanley bei ihrem offenen Immobilienfonds “P2 Value” die Reißleine gezogen. Der Fonds mit noch 34 Immobilien soll über die kommenden drei Jahre liquidiert und die Erlöse halbjährlich ausgeschüttet werden. Weitere Informationen dazu gibt es unter anderem bei der Financial Times: Nächste Abwicklung: Morgan Stanley macht Immofonds dicht.

Quelle: Aberdeen, zudem siehe Links
Bild: Bauruine als Symbolbild (Mediascapes / aboutpixel.de)
(ENDE) finanzwertig.de/22.10.2010

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