Falsche Portoangaben und mangelnder Service

Postagenturen: Verbraucherschützer kritisieren schlechte Beratung

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Bis zum Jahresende 2011 will die Deutsche Post AG alle eigenen Postschalter aus dem Unternehmen ausgliedern. Inzwischen gibt es bereits rund 14.000 der sogenannten Postagenturen – vielfach angegliedert an einen Kiosk, einen Getränkemarkt, ein Schreibwarengeschäft oder auch eine Änderungsschneiderei. Für die Servicequalität ist diese Kostensenkungsstrategie des Bonner Konzerns jedoch nicht immer förderlich, wie eine aktuelle Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW belegt.

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Für ihren Test besuchten die Verbraucherschützer 21 Postagenturen in NRW, die Sendungen annehmen und Kunden beraten sollen (Nicht berücksichtigt wurden Finanzcenter der Postbank sowie reine so genannte “Verkaufspunkte”). Die Mitarbeiter der Postagenturen sollten dann jeweils den günstigsten Tarif für einen rund 430 Gramm leichten Pullover sowie einen 655 Gramm schweren Atlas nennen. Nach den gültigen Beförderungs-Tarifen der Deutschen Post AG ist die korrekte Empfehlung für den Pullover die Maxi-Warensendung (bis 500 Gramm) für 1,65 Euro bzw. für den Atlas die Maxi-Büchersendung (500 bis 1000 Gramm) für 1,40 Euro.

Überhöhte Preisangaben und mangelnder Service

Was in der Theorie recht einfach klingt, sorgte in der Praxis bei den Testern für reichlich Unmut. Denn nicht einer der Post-Partner brachte die beiden Sendungen der Verbraucherzentrale zufolge korrekt auf den Weg. Stattdessen rieten etwa die Lotto-, Copy- und Schreibwaren-Shops fast die gesamte Produktpalette durch: von Brief, Groß- und Maxibrief über Buch- und Warensendung bis hin zum teuren Päckchen. Zu den kreativeren aber trotzdem nicht hilfreichen Tipps zählten Aussagen wie man möge den Pullover doch “klein zusammenfalten und in einen Briefumschlag stecken” bzw. aus dem Atlas “die benötigten Seiten herausreißen und als Brief verschicken”.

So absurd wie viele vorgeschlagene Versandarten seien oftmals auch die Preisauskünfte gewesen. Jeder dritte Teilzeit-Postler empfahl nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW 4,10 Euro oder auch “Vier Euro noch was” für ein Päckchen – stolze 2,70, bzw. 2,45 Euro mehr als für die Verschickung nötig war. Zudem seien immer wieder Tarife und die dazugehörigen Preise verwechselt oder gar neu erfunden worden.

Neben den ungenauen Preisauskünften haperte es nach Meinung der Verbraucherschützer auch beim Service: So habe es keiner der Agenturmitarbeiter für nötig gehalten, Kleidungsstück und Buch auf die Waage zu legen – obwohl beide Sachen gewichtsmäßig dicht an preislich unterschiedlichen Tarifen grenzten. Ein Verkäufer in einem Tabakgeschäft riet lapidar, “selbst zu wiegen”.

Postkunden: Selbst ist die Frau bzw. der Mann

Bei der Deutschen Post weiß man offensichtlich um die Fähigkeiten der Partner. “Man kann eine dreijährige Ausbildung nicht ersetzen”, wird die Pressestelle des Bonner Konzerns von der Verbraucherzentrale zitiert. Danach sollten die Mitarbeiter aber nach einer anfänglichen Schulung in der Lage sein, “95 Prozent des Tagesgeschäftes” zu bewältigen. Bei Problemen könnten sie zudem den Post-Computer oder eine Hotline befragen. Auf diese Idee sei in der Stichprobe der Verbraucherschützer jedoch kein Verkäufer gekommen.

Das Ergebnis ihrer Stichprobe lässt für die Verbraucherzentrale NRW nur eine Kunden-Empfehlung zu: Wer nicht weiß, wie ein Brief oder Päckchen verschickt werden muss, sollte selbst in einer Preis-Broschüre der Post nachschauen (oder online im Portokalkulator der Deutschen Post). So hätten es offenbar auch drei Post-Shop-Betreiber gesehen, die den Testkunden am Ende der Beratung das Porto-Heftchen zum Selbststudium in die Hand drückten.

Quelle: Verbraucherzentrale NRW
(ENDE) finanzwertig.de/08.07.2011

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