Im Kampf gegen "Schwarzseher"

Schon GEZahlt?: Die Tricks der GEZ-Fahnder

Kategorien: Bauen & Wohnen, Small-Talk-Wissen, Verbraucher-Infos, aktuell | Tags: , , ,

Ruppige Außendienstmitarbeiter, Fangfragen, Peilwagen, angedrohte Hausdurchsuchungen und andere Tricks: Alles nur Gruselgeschichten über “eine der geheimnisvollsten deutschen Behörden”, wie die Süddeutsche Zeitung die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) einmal nannte? Lesen Sie hier, welche Rechte die Gebührenbeauftragten wirklich haben und mit welchen Tricks sie versuchen, Ihnen das Schwarzsehen nachzuweisen.

Arbeit auf Provisionsbasis

Seit 1976 lassen die öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten die Rundfunkgebühren durch die gemeinsame Gebühreneinzugszentrale (GEZ) einziehen. Und diese ist beim Kampf gegen potentielle “Schwarzseher” nicht zimperlich. Nach drei wenig höflichen Briefen steht meist recht schnell der Gebührenbeauftragte vor der Tür. Über ihr forsches bis aggressives Verhalten gibt es immer wieder Klagen. Doch das scheint gewollt: “Man muss wie ein Polizist auftreten. Dann bekommen die Leute Angst”, gestand ein ehemaliger GEZ-Beauftragter ein. Dieses Verhalten ist wohl auch nötig, da die “Gebühren-Schnüffler” nicht mehr Rechte haben als Mitglieder privater Drückerkolonnen. Geld erhalten sie nur auf Provisionsbasis für noch nicht angemeldete Rundfunkgeräte, zusätzlich locken Quartalsprämien.

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Was also machen, wenn plötzlich ein GEZ-Ermittler vor der Haustür steht und man womöglich die Anmeldung für das drei Jahre alte Fernsehgerät vergessen hat? Über eines sollte man sich dabei grundsätzlich klar sein: Schwarzsehen ist eine Ordnungswidrigkeit. Die Beweislast hierfür liegt allerdings bei der GEZ. Sollten ihre Gebührenbeauftragten keine wahrheitsgetreuen Antworten erhalten, gestaltet sich das für die Kölner Behörde jedoch recht schwierig. Wegen der grundgesetzlich garantierten Unverletzbarkeit der Wohnung dürfen ihre Mitarbeiter nicht einmal einen Fuß in die Tür von Verdächtigen stellen. Daher müssen sie zu allerlei Tricks greifen, um sich ihre Provision zu verdienen.

Bluffen und Einschüchtern

Grundlage für die erfolgreiche Arbeit der GEZ-Ermittler bilden die Rundfunk-Teilnehmerkarten, auf denen die Daten eines ordnungsgemäß angemeldeten Fernsehteilnehmers erfasst sind. Mit diesen Informationen gehen die einzelnen Gebührenbeauftragten in ihrem etwa 100.000 Haushalte umfassenden Bezirk von Tür zu Tür und lesen Namensschilder. Finden sie zu einem Namen keine Karte, haben sie einen potentiellen “Schwarzseher” gefunden.

Wenn sich nun auf ihr Klingeln die Tür öffnet, beginnt für die Schnüffler das “Bluffen und Einschüchtern”. Haben die Gebührenbeauftragten Glück, können sie schon direkt von der Tür Empfangsgeräte in der Wohnung sehen und eine Zwangsanmeldung vornehmen. Andernfalls müssen sie den vermeintlichen Schwarzseher überzeugen, seine Geräte mit Unterschrift anzumelden. Das Hören eines mutmaßlichen Radios oder Fernsehers allein reicht dabei als Nachweis nicht aus. Gleiches gilt auch für sichtbare Satelliten-Antennen oder einen im Mietshaus vorhandenen Kabelanschluss.

Fangfrage: “Störe ich gerade bei der Tagesschau?”

Ob am Telefon oder an der Haustür, Fangfragen wie “Störe ich Sie gerade beim Fernsehen?” (bzw. bei einer bestimmten Sendung) sind bei den Gebührenbeauftragten sehr beliebt. Gleiches gilt für Fragen unter dem Vorwand einer angeblichen Marktforschung im Auftrag der TV-Anstalten (“Wie fanden sie gestern Abend den Tatort?”) oder verlockende Werbeangebote (“Wollen Sie eine Fernsehzeitung geschenkt?”). Wer sich zu diesen Fragen geäußert hat – aber natürlich selbst keinen Fernseher besitzt – kann ruhig darauf hinweisen, dass er die Sendung bei Freunden gesehen hat.

Die Mär vom Peilwagen

Gerne wird auch versucht, Ahnungslosen das Märchen vom “Peilwagen” aufzutischen, mit dem nicht angemeldete Fernsehgeräte aufgespürt werden können. Zwar gibt es diese grauen Messwagen durchaus, doch sie gehören der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation und dienen zum Auffinden elektromagnetischer Störfelder. Hartnäckige GEZ-Verweigerer haben für solche Einschüchterungsversuche meist nur ein müdes Lächeln übrig.

Ob Heizung, Wasser oder Elektrik…

…, entsprechende (vom Vermieter beauftragte Firmen) melden sich im Vorfeld an und stehen nicht plötzlich vor der Tür. Zudem sind solche Methoden – wie sie Trickdiebe eher bei älteren Damen anwenden – rechtlich nicht zulässig. Wer sich unter derartigen Vorwänden Zutritt zu einer fremden Wohnung verschafft, macht sich wegen Hausfriedensbruchs strafbar. Das gilt auch für Gebührenbeauftragte.

Polizei und Hausdurchsuchung angedroht?

Der Gebührenbeauftragte glaubt der Aussage eines vermeintlichen “Schwarzsehers” nicht und droht mit Polizei und Hausdurchsuchung? So einfach ist es für ihn aber nicht: Hausdurchsuchungen sind schwere Eingriffe in die Grundrechte und dürfen daher grundsätzlich nur von Richtern angeordnet werden. Das geschieht bei Straftaten bzw. dem Verdacht auf solche, aber nicht bei einer vermeintlichen Ordnungswidrigkeit wie Schwarzsehen. Und ohne Durchsuchungsbeschluss wird auch kein Polizist unerlaubt Ihre Wohnung betreten.

Dem Ehrlichen die Nachzahlung

Manch einer wird erst durch den Besuch des Kontrolleurs daran erinnert, ein noch “vergessenes” Gerät anzumelden. Fast unvermeidlich ist dann die Frage des Gebühreneintreibers, wie lange man das Gerät schon besitzt. Der Ehrliche sagt “seit drei Jahren” und muss bis zu 1.000 Euro nachzahlen. Der Schlaue sagt “seit gestern” und kommt umsonst davon. Ganz schön ungerecht, zumal es schwer ist, bei Flohmarktkäufen entsprechende Quittungen einzufordern.

Alternative Tipps

Sollte Ihnen ein GEZ-Fahnder zu aggressiv und aufdringlich werden, versuchen Sie es doch mal mit alternativen Tipps aus verschiedenen Internetforen. So könnten Sie beispielsweise die Polizei anrufen und melden, dass da ein verdächtiger Typ in Ihrer Straße lungert und die Häuser auskundschaftet. Oder wenn Sie ein Grundstück haben, schicken Sie doch einfach mal den Hund zum Spielen raus.

(ENDE) finanzwertig.de/05.12.2009

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2 Kommentare
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  1. [...] zum Thema: Schon GEZahlt?: Die Tricks der GEZ-Fahnder Quelle: golem.de (ENDE) finanzwertig.de/19.04.2011 [...]

  2. [...] könnte daher meinen, dass sich die Daseinsberechtigung der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) und ihrer an der Schwarzseher-Außenfront schnüffelnden Gebührenbeauftragten damit erledig hat. Doch stattdessen will die ab 1. Januar 2013 in “ARD ZDF Deutschlandradio [...]

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