Liechtensteiner Steuerskandal

“stern”-Interview mit dem LGT-Datendieb Heinrich Kieber

Kategorien: Small-Talk-Wissen, Steuern, aktuell | Tags: , , , , , , , ,

Mit dem Diebstahl interner Bankdaten der Liechtensteiner LGT Bank und ihrer Weitergabe an deutsche Steuerfahnder wurde der Bankangestellte Heinrich Kieber sowohl Ex-Postchef Klaus Zumwinkel wie auch tausenden weiteren Steuerbetrügern aus Deutschland zum Verhängnis. In einem Interview mit dem Magazin “stern” schildert Kieber nun erstmals, wie Milliarden von Schwarzgeld aus der ganzen Welt nach Liechtenstein geschafft wurden und wie er an die Daten kam.

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Mit Schwarzgeld vom Parkhaus in den Tresorraum

Über Konten von Briefkastenfirmen, beispielsweise in Spanien oder Portugal, die indirekt der fürstlichen LGT Treuhand gehörten, sei das Geld nach Liechtenstein geflossen. Bargeld hätten die Kunden durch eine geheime Stahltür im öffentlichen Parkhaus von Vaduz direkt in einen Tresorraum der LGT Treuhand fahren können, so Kieber weiter.

Kundendaten mittels Tages-Sicherungskopie entwendet

Der Diebstahl der Bankdaten fiel Kieber offenbar leicht. Dazu habe er bereits im Jahr 2001 einfach ein Magnetband mit den Tages-Back-up-Daten mitgehen lassen: “Ich hab das Band nach dem Mittagessen eingesteckt, ein leeres Band auf den Tisch gelegt und weitergearbeitet. Es gab keine Kameras in den Büros”, sagte er dem “stern”. So ein Band sei ja relativ klein und passe in die Jackentasche. Trotzdem sei er an dem Tag “ein bisschen nervös” gewesen. Bei Feierabend habe er es mitgenommen und bei sich zu Hause gut versteckt.

Der frühere LGT-Mitarbeiter, der die Konto-Daten nach eigenen Angaben an insgesamt 13 Staaten weitergab, lebt heute an unbekanntem Ort im Zeugenschutzprogramm eines Geheimdienstes. Allein der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) habe ihm für die Informationen fünf Millionen Euro gezahlt, sagte Kieber dem stern. Insgesamt verfüge er über Daten von 3.929 Stiftungen, Gesellschaften und Trusts sowie von 5.828 natürlichen Personen. Davon seien 46 politisch exponierte Personen. Zu seiner Überraschung sei Zumwinkel bislang der einzige Prominente, dessen Fall zumindest teilweise öffentlich wurde. (Die Steuerhinterziehung des Ex-Postchefs Klaus Zumwinkel wurde im Februar 2008 publik, er musste 3,9 Millionen Euro Steuern nachzahlen und wurde im Januar 2009 zu einer Strafe von einer Million Euro und zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.)

Vertrauliche Notizen über jeden Klienten

Wie Kieber in dem Interview weiter berichtet, hätten die Mitarbeiter der LGT Treuhand über vertrauliche Gespräche mit ihren Klienten minutiös Buch geführt. Diese Notizen seien mit den Kontodaten abgespeichert worden. “Die Treuhänder wissen mehr als manche Ehefrauen oder die Kinder oder die Geschäftspartner.” In den internen Vermerken habe er Geschichten lesen können “über Familienstreitigkeiten, Zweit- und Drittfrauen oder uneheliche Kinder”. Der reichste Anleger, so Kieber, war ein italienischer Industriellen-Erbe mit 450 Millionen, der reichste Deutsche ein Düsseldorfer Geschäftsmann mit Anlagen von 35 Millionen Euro. Dagegen sei Klaus Zumwinkel mit einem zweistelligen Millionenvermögen nur “oberer Durchschnitt” gewesen.

Das ganze Interview gibt es in der am Donnerstag (5. August 2010) erscheinenden Ausgabe des Hamburger Magazins “stern”. Auf stern.de steht bislang leider nur eine Vorab-Zusammenfassung des Magazin-Artikels: Heinrich Kieber: der Datendieb packt aus.

Mehr zum Thema:
Heinrich Kieber: Der Rächer mit dem Datenbank (Spiegel Online)
LGT: Heinrich Kieber redet (finews.ch)
wikipedia-Eintrag: Heinrich Kieber
Steueraffäre: Heinrich K., verzweifelt gesucht (stern.de)

Quelle: “stern”
(ENDE) finanzwertig.de/04.08.2010

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Ein Kommentar
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  1. Bei den von Heinrich Kieber bei der LGT in Liechtenstein “gestohlenen” Daten handelt es sich ja ganz offensichtlich um solche, die aus im Ausland rechtswidrigen/verbotenen Handlungen, zB. Steuerhinterziehung …, stammen (siehe dazu z.B. die Begründung zum Urteil des Obergerichts in Vaduz vom 8. Juli 2010).
    Nachdem es rein juristisch fraglich ist, ob jemand überhaupt rechtmäßiger Eigentümer von auf rechtswidrigen bzw. verbotenen Handlungen basierenden Daten sein kann, ist es auch fraglich, ob in gegenständlichem Fall überhaupt von Datendiebstahl bzw. Datenklau gesprochen und Heinrich Kieber als Datendieb bezeichnet werden kann ….

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