Energieversorger unter Druck

Studie: Jeder dritte Kunde will Stromanbieter wechseln

Kategorien: Bauen & Wohnen, Verbraucher-Infos, aktuell | Tags: , , ,

Der Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt und die steigenden Preise zeigen Wirkung: In diesem Jahr wollen 35 Prozent der Kunden ihren Stromanbieter wechseln oder ziehen einen Wechsel zumindest ernsthaft in Erwägung. Damit ist die Wechselbereitschaft in Deutschland im internationalen Vergleich am höchsten, wie aus einer aktuellen Studie* der Beratungsfirma Accenture hervorgeht.

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Für die Studie wurden mehr als 10.000 Verbraucher in 19 Ländern – darunter neben Deutschland vergleichbar große und deregulierte Märkte wie Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und die USA – befragt. Nirgendwo sonst sei der Anteil derjenigen, die sich in diesem Jahr auf jeden Fall einen neuen Stromanbieter suchen wollen, so hoch wie hierzulande.

Wichtigster Grund für den Wechselwillen sei der Preis. Bei möglichen Mehrfachnennungen gaben Accenture zufolge 90 Prozent der Befragten an, durch einen Wechsel Kosten sparen zu wollen. Mit großem Abstand folgten als weitere Gründe eine besser an den eigenen Verbrauch angepasste Tarifgestaltung (60 Prozent) sowie die Möglichkeit, Strom aus erneuerbaren Quellen wählen zu können (37 Prozent).

Kundenbindung durch Zusatzleistungen

“Der Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt läuft in erster Linie über den Preis”, analysiert Serge Colle, Geschäftsführer des Bereichs Energieversorgungswirtschaft bei Accenture. “Dennoch sollten Versorgungsunternehmen über zusätzliche Angebote nachdenken. Sie können die langfristige Bindung der Kunden erhöhen.” Die Studie habe gezeigt, dass viele Verbraucher an zusätzlichen Serviceleistungen interessiert seien. Dazu gehörten beispielsweise die individuelle Energieberatung (46 Prozent), die Energieerzeugung zu Hause mittels Solar, Wind oder Geothermie (41 Prozent) oder sogenannte “Smart Home”-Lösungen, mit deren Hilfe sich der Verbrauch durch eine effizientere Steuerung senken lässt (40 Prozent). Allerdings wären lediglich 23 Prozent der Verbraucher bereit, dafür mehr zu bezahlen oder könnten sich das zumindest vorstellen.

Weniger Service für weniger Geld

Wie hoch die Preissensibilität inzwischen sei, lasse sich an der Einstellung der Verbraucher zum Kundenservice ablesen. Für eine niedrigere Stromrechnung würden sechs von zehn Kunden hier Abstriche hinnehmen. So wären 87 Prozent der deutschen Stromkunden mit einer rein elektronischen Abrechnung zufrieden; 56 Prozent würden zudem einen eingeschränkten Telefonsupport akzeptieren. “Die Energieversorger stehen unter einem hohen Kostendruck”, fasst Colle die Studienergebnisse zusammen.

Kontakt über E-Mail und Internet

Gerade im Servicebereich gebe es noch Einsparmöglichkeiten, deren Umsetzung ohne Kundenverluste erfolgen könne. So würden beispielsweise digitale Kanäle von vielen Versorgern noch nicht ausreichend genutzt. Denn für die Kommunikation mit ihrem Versorger bevorzugten die meisten Kunden E-Mail, Webseiten oder mobile Anwendungen – und nicht das Call Center oder den Brief. Eine Mehrheit von 56 Prozent würde sogar die gesamte Interaktion mit ihrem Stromversorger komplett online abwickeln. Dabei stehen laut Accenture soziale Netzwerke vor allem bei den Stromkunden von morgen, also den 18-24-Jährigen, hoch im Kurs. Fast 40 Prozent würden auch über Facebook oder Google+ mit ihrem Energieversorger in Kontakt treten.

*) Hintergrund: Die Studie “Actionable Insights for the New Energy Consumer” basiert Accenture zufolge auf einer Online-Befragung von weltweit 10.158 Verbrauchern aus 19 Ländern: Australien, Belgien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Norwegen, Singapur, Südafrika, Südkorea, Spanien, Schweden und die USA. In Deutschland nahmen 500 Personen daran teil. Die Studie ist die dritte in einer Reihe von Untersuchungen durch Accenture, in deren Mittelpunkt die Einstellungen, Meinungen und Präferenzen von Verbrauchern in Bezug auf das Energiemanagement standen.

Quelle: Accenture
(ENDE) finanzwertig.de/19.04.2012

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