Stärkerer Umweltschutz und sozialer Ausgleich

Umfrage: Neun von zehn Bundesbürger für neue Wirtschaftsordnung

Kategorien: Finanzpolitik, Small-Talk-Wissen, aktuell | Tags: , , , , ,

Während Wirtschaftsexperten bereits erfreut das Ende der Wirtschafts- und Finanzkrise sehen und die Rückkehr zur Normalität verkünden, ist die Mehrheit der Deutschen von grundlegender Skepsis erfüllt. Neun von zehn Bundesbürgern haben Zweifel am kapitalistischen Wirtschaftssystem, wie eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ergeben hat. Neben Wirtschaftswachstum gewinnen Aspekte wie Umweltschutz und der soziale Ausgleich in der Gesellschaft deutlich an Bedeutung.

Umfrage: Neue Wirtschaftsordnung statt Kapitalismus Insgesamt wünschen sich der Umfrage zufolge 88 Prozent der Deutschen am liebsten eine neue Wirtschaftsordnung. Wirtschaftliches Wachstum sei zwar für 93 Prozent der Befragten wichtig, um die Lebensqualität zu erhalten – allerdings nicht um jeden Preis. Einen Wohlstand, der durch Schädigung der Umwelt oder hohe Staatsverschuldung erkauft werde, lehnten mehr als 80 Prozent ab. Im Gegenzug befürworteten drei Viertel der Bürger auch einen geringeren Zuwachs an materiellem Wohlstand, wenn dadurch die Umwelt für künftige Generationen besser erhalten und die öffentliche Verschuldung gesenkt werden könne.

Wirtschaftswachstum für mehr Lebensqualität?

Bei der Frage, ob immer mehr Wirtschaftswachstum auch zu mehr Lebensqualität führt, zeige sich die Bevölkerung deutlich gespalten. 36 Prozent der Bundesbürger bejahten die Frage, 61 Prozent teilten die Ansicht nicht. Je nach Altersgruppe gebe es bei diesen Antworten aber deutliche Unterschiede: Während 48 Prozent der 14 bis 29-Jährigen zustimmen, sind es laut der Umfrage bei den über 59-Jährigen lediglich 27 Prozent.

Die eigentlichen Quellen persönlicher Lebensqualität, heißt es bei der Bertelsmann Stiftung weiter, seien überwiegend immaterieller Natur. Gesundheit (80 Prozent), eine intakte Familie und Partnerschaft (72 Prozent), sein Leben selbst zu bestimmen (66 Prozent) und das friedliche Zusammenleben mit Menschen sowie soziales Engagement (58 Prozent) werden mit Abstand für wichtiger gehalten, als “Geld und Besitz” zu mehren (12 Prozent).

ANZEIGE

Soziale Marktwirtschaft als Fundament für neue Strategie

“Die Soziale Marktwirtschaft ist über Jahrzehnte eine stabilisierende und ausgleichende Kraft in unserem Land und damit auch ein Garant für den sozialen Zusammenhalt. Auf ihrem Fundament muss jetzt eine langfristige Strategie zum Umgang mit Krisen entwickelt werden. Vertrauen, Nachhaltigkeit und sozialer Ausgleich müssen die Grundpfeiler einer solchen Strategie sein”, so Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Hintergrund: Für die repräsentative Erhebung wurden laut Stiftung vom 12. bis 13. Juli 2010 1.001 Frauen und Männer im Alter ab 14 Jahren in Deutschland befragt. Zudem wurden weitere 1.000 Personen in Österreich befragt. Hier sprachen sich 90 Prozent der Befragten für eine neue Wirtschaftsordnung aus.

Mehr zu den Ergebnissen der Umfrage gibt es in einem Kurzbericht der Bertelsmann Stiftung: “Bürger wollen kein Wachstum um jeden Preis” (.pdf-Datei).

Quelle: Bertelsmann Stiftung
Bild: Moritz Mehrlein / aboutpixel.de
(ENDE) finanzwertig.de/19.08.2010

Leider noch keine weiteren Artikel zum Thema...

RSS-Grafik
Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie doch den finanzwertig.de-Feed. So werden Sie immer mit den aktuellen Beiträgen versorgt.

Artikel kommentieren