Elementarschaden-Versicherung

Versicherungsschutz bei Überschwemmung und Hochwasser

Kategorien: Bauen & Wohnen, Verbraucher-Infos, Versicherungen, aktuell | Tags: , , , , , ,

Schmelzende Schneemassen, Dauer- oder Starkregen lassen in zunehmender Regelmäßigkeit Bäche, Flüsse und Seen über die Ufer treten – und das häufig nicht nur in den “klassischen” Hochwassergebieten rund um Oder, Elbe, Rhein und Mosel. Für die Betroffenen haben die Wasserfluten oft drastische finanzielle Folgen: Da normale Gebäude- und Hausratversicherungen für derartige Naturkatastrophen nicht aufkommen, müssen die meisten Hochwasseropfer die Schäden an ihren Häusern aus eigener Tasche zahlen. Dabei kommen schnell fünfstellige Summen zusammen.

Hochwasser-Warnschild Die in den Normalverbraucher-Versicherungen abgedeckten Wasserschäden sind in der Regel auf Schäden durch geplatzte Wasserleitungen oder defekte Waschmaschinen begrenzt. Wer sich auch gegen Überschwemmungen absichern will, sollte zusätzlich eine Elementarschaden-Versicherung abschließen. Sie springt unter anderem bei Schäden durch Hochwasser, Starkregen und Wasserrückstau in der Kanalisation ein und übernimmt die entstandenen Kosten – beispielsweise für die Trockenlegung des Kellers, die Erneuerung des Fußbodens oder auch den Abriss eines nicht mehr bewohnbaren Hauses und den Bau eines gleichwertigen Ersatzhauses. Entsprechende Policen kosten für ein durchschnittliches Einfamilienhaus je nach Lage und Versicherungsgesellschaft zwischen 50 und 450 Euro im Jahr.

Elementarschaden-Versicherung nicht für jeden

Allerdings verfügt trotz des hohen finanziellen Risikos gerade mal ein gutes Viertel der deutschen Wohngebäude über eine Elementarschadenversicherung, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berichtet. Das liegt zum einen am mangelnden Versicherungsinteresse vieler Hausbesitzer, die fernab von Seen und Flüssen wohnen. Ihnen sei oftmals nicht bewusst, dass rund die Hälfte aller Überschwemmungsschäden mittlerweile durch Starkregen verursacht werde, so der GDV. Zum anderen sind entsprechende Policen für Häuser in regelmäßig von Überschwemmungen betroffenen Regionen teilweise gar nicht oder nur zu sehr hohen Versicherungsbeiträgen zu bekommen.

siehe hierzu auch:
ZÜRS – Geo-Informationssystem zur Einschätzung von Überschwemmungsrisiken (GDV)

Wenig Chancen auf Staatshilfe

Wer nicht zu den glücklichen Besitzern einer Hochwasserschutz-Police gehört, dem bleibt oftmals nur die Hoffnung auf staatliche Hilfen. Doch im Hochwassergebiet zu wohnen ist eigentlich privates Risiko. Einen automatischen Anspruch auf Entschädigung durch den Staat gibt es nicht, abgesehen beispielsweise bei fahrlässigen Fehlern in der Ausweisung von Baugebieten. Darüber hinaus sollten Flutopfer – sofern nicht gerade Wahlkampfzeiten sind – angesichts der bekanntlich leeren Kassen nicht viel von der öffentlichen Hand erwarten.

Hausratversicherung

Ergänzend zur Elementarschaden-Versicherung empfiehlt sich zudem der Abschluss einer Zusatzdeckung in der Hausratversicherung. So können Hauseigentümer und Mieter auch Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte oder Kleidung gegen die Folgen von Überschwemmungen und Wasserrückstau absichern. Für die Schadensregulierung empfiehlt es sich entsprechende Wertnachweise (Kaufbelege, Fotos) an einem sicheren Ort zu hinterlegen.

Sonderfall: DDR-Policen

Alteingesessene Hauseigentümer in Ostdeutschland können statt der Elementarschaden-Versicherung auf ihre alte (erweiterte) Wohngebäude- bzw. Hausratversicherung aus DDR-Zeiten zurückgreifen – sofern sie sie noch besitzen. In den damals weit verbreiteten Policen sind auch Schäden durch Überschwemmungen abgesichert. Seit der Wiedervereinigung werden die Alt-Versicherungen vom Allianz-Konzern weitergeführt.

Schäden am Auto

Für Überschwemmungsschäden an Auto oder Motorrädern kommt im Regelfall die Teil- bzw. Vollkaskoversicherung auf – und das ohne eine nachfolgende Höherstufung beim Schadenfreiheitsrabatt. Allerdings werden Wertsachen im Auto genauso wenig ersetzt wie die Kosten für einen eventuell benötigten Mietwagen. Zudem müssen Versicherte die vereinbarte Selbstbeteiligung tragen – meist 150 Euro.

Voraussetzung für den Versicherungsschutz ist allerdings, dass der Autobesitzer nicht grob fahrlässig handelt. Das bedeutet, dass Versicherte ihr Fahrzeug nach der behördlichen Hochwasserwarnung schnellstmöglich aus dem gefährdeten Gebiet herausfahren. “Die Versicherung zahlt in der Regel nur dann, wenn das Wasser zum Auto kommt. Der umgekehrte Fall, nämlich wenn das Auto zum Wasser kommt, ist nicht abgedeckt”, erklärt Karl Walter, Kfz-Experte der R+V Versicherung. Gleichzeitig rät er davon ab, mit dem Auto durch überflutete Straßen zu fahren. “Autos sind nicht wassertauglich, auch wenn man das in Kinofilmen immer wieder sieht. Und auch der Versicherungsschutz ist bei einer solchen Aktion gefährdet.”

Weitere Informationen zum (Versicherungs-)Schutz bei Überschwemmungen und Hochwasser bietet eine Broschüre Gesamtverbandes der Deutschen Versicherer: Land unter… Schutz für Haus und Wohnung (.pdf-Datei).

Richtig vorbereitet für die nächste Flut

Klimaforscher warnen schon länger vor einer Zunahme der Überschwemmungen infolge des Klimawandels: Dabei steigt durch die stetige Erwärmung der Erde auch die Temperatur in Meeren und Flüssen, was zu einer stärkeren Verdunstung und Wolkenbildung führt. Wenn die mit mehr Wasser voll gesogenen Tiefdruckgebiete dann über Land ziehen und sich abregnen, fallen auch größere Niederschlagsmengen an. In bestimmten Regionen könnten Überschwemmungen somit zu einem Regelfall werden. Auch wenn kein Hochwasser dem anderen gleicht, so gibt es doch einige allgemeine Tipps, deren Beachtung im Ernstfall viel Ärger und finanzielles Leid ersparen kann.

  • Checkliste

    Damit man im Ernstfall wirklich an alles denkt, sollte rechtzeitig vorher eine Checkliste angelegt werden. Sie hilft Routine zu schaffen und den Überblick über die wichtigsten Aufgaben zu behalten. Zudem sollten hier die Sammelpunkte und die Telefonnummern der Hochwassermeldezentralen vermerkt sein. Letztere geben je nach Pegelhöhe öffentliche Hochwasserwarnungen in mehreren Stufen heraus.

  • Hochwasser-Set zusammenstellen

    Um bei einer Überschwemmung alles Wichtige sofort zur Hand zu haben, empfiehlt sich die Zusammenstellung eines Hochwasser-Sets. Dabei kann es sich um eine überflutungssichere Kiste oder auch ein ganzes Regal handeln, das jedem Hausbewohner bekannt ist. Der Inhalt, wie Taschenlampe, Batterien, Decken, Werkzeuge, wasserfeste Sachen, Erste-Hilfe-Ausrüstung und auch Trinkwasser sowie ein Fotoapparat zur Schadensdokumentation, sollte regelmäßig auf seine Vollständigkeit geprüft werden.

  • Über die Gefahr sprechen

    Thematisieren Sie die Hochwasserproblematik in der Familie und am Besten auch in der Nachbarschaft. So weiß jeder, was im Notfall zu tun ist. Und sollten Sie im Urlaub sein, weiß der schlüsselaufbewahrende Nachbar zumindest, welche Dokumente und Werte einem wichtig sind und wo er sie finden kann. Zudem nutzt auch die beste Hochwasserpumpe nichts, wenn der Nachbar sie weder finden noch bedienen kann.

  • An Wertsachen im Keller denken

    Ausbaubare Keller und Erdgeschosse beherbergen heute oft sehr teure Güter wie Waschmaschine, Gefriertruhe, Werkbänke und -maschinen oder Heimkino- und Partykelleranlagen. Gerade zu Gefahrenzeiten sollte im Keller aber nur lagern, was eine Überschwemmung überstehen bzw. schnell abgebaut werden kann oder dessen Verlust weniger schmerzhaft ist. Das gilt insbesondere, wenn man in der Zeit eines erhöhten Überschwemmungsrisikos verreisen sollten. (Dann bitte auch dran denken, das Auto an höher gelegenen Stellen zu parken.)

  • Bei Ölheizung den Öltank sichern

    Wer eine Ölheizung besitzt, dem droht bei einem Hochwasser schnell ein “privater Chemieunfall”. Die Druck- und Auftriebskräfte gerade auf schon recht leere Ölbehälter werden oft unterschätzt. Der Öltank kann platzen und das Öl die gesamte Wohnung und die Umwelt langfristig unbewohnbar machen. Hausbesitzer mit Ölheizung sollten sich daher rechtzeitig von einem Fachmann über das richtige Verankern des Öltanks und das Verhindern von Aufschwemmungen beraten lassen.

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Tipps für den Schadensfall

Auch bei den Aufräumarbeiten nach einem Schadensfall gibt es einiges zu beachten. So sollte man beispielsweise den Keller erst dann auspumpen, wenn der Wasserstand außen sinkt. Sonst wird das Mauerwerk unterspült oder aufgeschwemmt, es entstehen Risse. Im schlimmsten Fall ist die ganze Statik des Gebäudes in Gefahr. Sobald der Wasserspiegel fällt, ist allerdings Eile angesagt: Schlamm und Dreck sollten entfernt werden, bevor alles trocknet. Die dabei zu Tage tretenden Schäden sollten für die Versicherung ausführlich dokumentiert werden – am besten mit Fotos. Die Entsorgung beschädigter Gegenstände bzw. die Aufnahme von Reparaturmaßnahmen sollten erst nach Rücksprache mit der Assekuranz erfolgen.

Darüber hinaus ist es ratsam, elektrische Geräte und Anlagen vor der erneuten Inbetriebnahme am Besten von einem Fachmann prüfen zu lassen. Sind Schadstoffe wie Farben oder Öl ausgelaufen, sollte die Feuerwehr verständigt und Rauchen bzw. offenes Feuer vermieden werden. Zudem sind alle Lebensmittel, die mit dem Hochwasser in Kontakt gekommen sind, zu entsorgen: Mit dem Wasser werden auch Schadstoffe und Bakterien transportiert.

Mit Quellen von Stiftung Warentest, GDV und R+V
Bild: Hochwasser (Sven Brentrup / aboutpixel.de)
(ENDE) finanzwertig.de/11.01.2011

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Ein Kommentar
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  1. Bei einer Grundstücklage nah an Gewässern sollte man an unbedingt darauf achten den besten Schutz gegen Hochwasser zu finden. Unzureichende Versicherungen denken oftmals nur die Hälfte der Schäden ab.

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