Immer mehr systemrelevante Institute

DIW: Weiter hohe Risiken im Bankensektor

Kategorien: Banken, Konten & Kredite, Wirtschaftsnachrichten, aktuell | Tags: , , , ,

Im deutschen Bankensektor bestehen weiterhin erhebliche Risiken. Die Bedeutung der systemrelevanten Institute ist seit der Finanzkrise eher noch gestiegen, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) unter Verweis auf eine aktuelle Studie berichtet. Zur Begrenzung der Risiken schlägt DIW-Bankenexpertin Mechthild Schrooten vor, bei der Deutschen Bundesbank die erste international operierende öffentlich-rechtliche Ratingagentur anzusiedeln. Zudem fordert sie die Reduzierung der Anzahl der Landesbanken auf ein einziges, gesundes Institut.

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Fusionen erhöhen systemische Gefahr

Die Zahl der Kreditinstitute in Deutschland geht dem DIW zufolge seit Jahren zurück, während gleichzeitig die Größe der einzelnen Institute beständig zunimmt. Das sei meist eine Folge von Fusionen, bei denen die Bilanzsumme der fusionierten Banken steige. Durch die Fusionsprozesse gebe es jedoch immer mehr systemrelevante Institute, deren Schieflage eine Signalwirkung auf Anleger ausüben und damit den gesamten Finanzsektor anstecken könne. Vereinfacht gesehen könne eine Bank ab einer Bilanzsumme von fünf Milliarden Euro als systemisch relevant eingestuft werden. Die Zahl entsprechender Institute stieg in Deutschland dem DIW zufolge zwischen 2005 und 2009 von 135 auf 147 Banken an. Hinzu komme eine sehr volatile Gewinnsituation in der Bankenbranche: “Gerade die großen privaten Banken und die Landesbanken weisen starke Schwankungen bei ihren Eigenkapitalrenditen auf und rutschen in Krisenzeiten leicht in die Verlustzone”, erklärt DIW-Expertin Schrooten.

Die Regulierung sei leider nicht mit der steigenden Komplexität der Finanzwelt mitgewachsen, weshalb jetzt dringend die Finanzmarktaufsicht gestärkt werden müsse. Deutschland könne hier einen Vorstoß wagen und die Bundesbank als erste öffentlich-rechtliche Ratingagentur etablieren. “Schließlich ist das Fachwissen dort vorhanden”, argumentiert Schrooten. Ein solcher Schritt würde zudem nicht nur die Bankenaufsicht stärken, sondern auch die Marktmacht der amerikanischen Ratingagenturen senken.

Landesbanken extrem systemrelevant

Eine Besonderheit des deutschen Bankensystems ist die große Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Sektors. Insbesondere die Landesbanken haben einen erheblichen Anteil an der Gesamtsumme der Bankenbilanzen und sind daher extrem systemrelevant. “Die Aufgabe der Landesbanken muss neu definiert werden”, meint daher auch Mechthild Schrooten. Hier reiche ein einziges Institut aus, das als Sparkassenzentralbank operieren solle.

Mehr zum Thema gibt’s im DIW-Wochenbericht 9/2011 vom 2. März 2011: Risiken im Bankensektor weiter hoch – Regulierung muss gestärkt werden.

Quelle: DIW Berlin
(ENDE) finanzwertig.de/02.03.2011

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