Gesetzliche Krankenversicherung

Zusatzbeiträge: Bis zu 19 Euro wenig Bereitschaft zum Kassenwechsel

Kategorien: Versicherungen, Wirtschaftsnachrichten, aktuell | Tags: , , ,

Zusatzbeiträge haben bisher kaum zu Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Krankenkassen geführt. Nur wenige gesetzlich Versicherte verlassen ihre Kasse, wenn diese Zusatzbeiträge fordert, wie jetzt eine Arbeitnehmerbefragung* im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der WirtschaftsWoche ergeben hat. Danach würden die meisten Versicherten erst ab einem Zusatzbeitrag von durchschnittlich 19 Euro einen Versicherungswechsel in Betracht ziehen.

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Seit Inkrafttreten des Gesundheitsfonds 2009 dürfen die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) zusätzlich zu den regulären lohnabhängigen Beitragszahlungen auch lohnunabhängige Zusatzbeiträge erheben. Die Höhe der monatlichen Beiträge war bis Ende 2010 auf maximal ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens begrenz. Seit 2011 können die gesetzlichen Krankenkassen diese Zusatzbeiträge frei und ohne Obergrenze festsetzen.

Wenig Wettbewerb durch Zusatzbeiträge

Mit der Einführung der Zusatzbeiträge war auch die Erwartung verbunden, dass die Versicherten zum jeweils günstigsten Anbieter wechseln und damit der Preis-Leistungs-Wettbewerb zwischen den Kassen steigt. Doch so konsequent sind in der Praxis bislang offenbar erst wenige Versicherungsnehmer – was womöglich auch an den meist noch vergleichsweise geringen Zusatzbeiträgen von wenigen Euro im Monat liegt. So hat der Umfrage von INSM und Wirtschaftswoche zufolge erst rund jeder siebte gesetzlich versicherte Arbeitnehmer bereits einmal die Kasse gewechselt, um Zusatzbeiträge zu sparen. Gleichzeitig gaben die meisten Versicherten an, erst ab einem Zusatzbeitrag von durchschnittlich 19 Euro die Kasse wechseln zu wollen.

“Die Zusatzbeiträge sind zu gering, um für mehr Wettbewerb zu sorgen”, kommentiert Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM, die Umfrage. Dabei sei gerade mehr Wettbewerb notwendig. Er verbessere Leistung und Effizienz und senke die Kosten – das gelt auch für den Bereich der “bürokratielastigen gesetzlichen Krankenkassen”. Insgesamt sei eine grundlegende Reform des Gesundheitssystems nötig. Die steigenden Kosten des medizinischen Fortschritts und der Alterung der Bevölkerung dürften nicht wie bisher auf die Lohnkosten umgelegt werden. “Wenn wir Arbeit verteuern, verlieren wir Jobs. Arbeitsplätze auf die Deutschland nicht verzichten sollte. Es sei denn, man gibt das Vollbeschäftigungsziel auf”, mahnt Pellengahr weiter.

*) Für die Umfrage wurden 1.000 Arbeitnehmer zwischen dem 17. und 24. Mai online befragt. Die Stichprobe der Arbeitnehmer zwischen 16 und 65 Jahren ist repräsentativ für Deutschland und nach Schulbildung, Geschlecht und Altersgruppen geschichtet. Arbeitnehmer ohne Schulbildung wurden nicht berücksichtigt. Die Umfrage ist Teil des Deutschland-Checks, einer Dauerstudie im Auftrag der INSM und der WirtschaftsWoche. Weitere Informationen hierzu gibt es unter www.deutschland-check.de.

Quelle: INSM
(ENDE) finanzwertig.de/23.06.2011

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